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Autor dieser Seiten:  Detlef Knick - Berlin 
 
Technische Details zu alten
Walzen-Spieldosen
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Technische Details zu Walzen-Spieldosen
1796 - 1900
 - Teil 1 - 
 
 
 Die wichtigsten Hersteller von Walzen- Zylinder- Spieldosen waren....
 
L' Epée, Langsdorff, Ducommon, Lecoultre, Baker -Troll, Mermod Frères, Nicole Frères,
Paillard, B. A. Bremond, Reuge, Rzebitschek, Olbrich.
 
 
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nicole_freres_1895.jpg
 
Original-Ton dieses Instruments anhören  
Eine typische Walzenspieldose
 
Hersteller: Mermod Fréres um 1895
aus Sainte Croix /Schweiz
 
Typ: Peerless Forte-Piccolo No. 370
Tonkamm mit 80 Tonzungen.
6 Liedtitel gestiftet.
 
Walzenlänge: 22,8 cm = 9 Zoll
Durchmesser der Walze: 5,5 cm.
Interchangeable Typ
 
Die Walze ist auswechselbar (!)
 
In der Mitte über dem Tonkamm, sieht man einen sog. "Zither-Effekt". Über einen Hebel an der (roten) Lyra wird eine simple Seidenpapier-Rolle auf die schwingenden Tonfedern gedrückt. Dadurch ergibt sich ein "schwirrender und Zitherähnlicher" Klang. Ähnlich dem Kinderspielzeug-Effekt: Seidenpapier vor einen Kamm halten und hineinsummen. Dieser wirkllich interessante "Zitherklang" ist natürlich abschaltbar.
 
Auf der rechten Seite befindet sich "Jacot´s Patent Safety-Check". Diese Erfindung verhindert den gefürchteten "Run".
Dieser tritt u.a. bei einem Defekt der Fliehkraftbremse (Fliehkraft-Regler) auf. Ein "Run" führt häufig zur totalen Zerstörung einer Walzenspieldose.
An der linken Seite der Walze befindet sich ein Liedanzeiger. Dieser läuft beim Drehen der Walze automatisch mit und zeigt die Titelnummer des gerade gespielten Liedes an. Hier kann eine bestimmte Liednummer vorgewählt werden, sodass nur dieser Titel abgespielt wird. Eine sehr praktische Erfindung (!)
 
Das Instrument wird hier - im Gegensatz zum sonst üblichen linksseitigen Ratschenaufzug - mittels einer Kurbel an der rechten Seite aufgezogen. Der Zylinder und die Mechanik sind vernickelt. Das Werkgestell ist aus Eisen, gerippt und bronziert.
Gehäuse aus Nadelholz in der typischen Rosenholz-Immitation.
Abmessungen: 50 x 23 cm - Höhe 17,5 cm
 
 
Die Wiege der Walzenspieldose stand in der Schweiz
 
Spieldosen 1796 - 1820
 
Die Erfindung der Musikdose geht auf den Genfer Uhrmacher Antoine Favre-Salomon (1734-1820) zurück,
welcher 1796 das Prinzip der klingenden Stahllamelle beschrieb.
 
Er präsentierte der Genfer "Société des Arts" eine neue Machart des Musikwerks, das "zwei Melodien spielt und den Klang der Mandoline imitiert, eingebaut in den unteren Teil einer Tabatière normaler Grösse."
 
Seine Erfindung basierte auf einer rotierenden Walze mit Stiften, die an dünnen Stahllamellen zupfen. Das Prinzip wurde überall gelobt; trotzdem hatte er keinen Erfolg damit. Er gab seinen Beruf später auf und starb in ärmlichen Verhältnissen.

Andere bauten darauf auf, sodaß im Jahr 1802 Jean-Frédéric Leschot Fingerringe mit einem eingebautem Lamellenmusikwerk nach Favres Prinzip beschrieb. Hersteller war aber nicht Leschot, sondern Isaac-Daniel Piguet,
ein Uhrmacher aus dem Vallée de Jou.
 
In Genf arbeitete dieser zunächst für Leschot, dann zusammen mit seinem Schwager
Henri Capt ab 1802 und mit
Samuel Philipp Meylan ab 1811.
 
Viele witere spektakuläre Objekte gingen aus Piguets Werkstatt hervor.
Favres Prinzip wurde zunächst in Fingerringen und anderen Schmuckstücken benutzt, wobei ausschliesslich Musikwerke mit sehr wenigen Tönen hergestellt wurden.
Spieldose 2 Anfang 19. Jh.jpg
Spieldose 1 Anfang 19. Jh.jpgVideo mit Ton
 
Erst ab 1813 produzierte man auch Musikwerke für Tabatièren oder Schmuckdosen, die einen grösseren Tonumfang aufweisen konnten. In einem weiteren Schritt wurde Favres Prinzip auch auf die eigentliche Musikdosen ohne weitere Funktion übertragen.
 
 
Die Spieldose - wie wir sie heute kennen - wurde also ab etwa 1815 so hergestellt.
Es entstand eine neue Bauform von Musikwerken, welche in Kamin- und Wanduhren eingebaut wurden. Das sog. Cartel. Damals war es eine Bezeichnung für den Sockel einer Wanduhr- wurde aber später zu einem Begriff der größeren Musikwerke an sich.
Kleine Walzenspieldose um 1820. Drei Tonzungen in Gruppen angeordnet.    Video mit Ton
 
 
 
Um 1832 ist die Musikdosenindustrie fest in Sainte-Croix etabliert.
17 Fabrikanten beschäftigten damals 360 Arbeiter. Daneben gab es rund neunzig Uhrmacherbetriebe.
Eine eigene Seite zur Spieluhren-Metropole in Sainte-Croix finden Sie hier
 
Im Zentrum der Spieldosenindustrie - in Genf und Sainte Croix - werden um 1813
ca. 3000 Stück produziert. Das Wachstum dieser neuen Industrie ist ganz erstaunlich.
1827 werden bereits mehr als 16500 Spieldosen hergestellt.
 
Beispiel für ein kleines
Zylinder-Musikwerk
um 1820
mit einzeln aufgeschraubten
Tonzungen in Gruppen
 
 
Zylinder Spieldose 2 um 1820.jpg
 
Zylinder Spieldose um 1820.jpg
Sehr frühe Walzenspieldose um 1820
mit je zwei Tonzungen pro Gruppe.     Video mit Ton
Klick auf diie Fotos zum Vergrößern
 
 
Mitte des Jahrhunderts wuchs die Produktion von Musikdosen sogar auf rund 35000 Stück jährlich, wovon ein Grossteil ins Ausland exportiert wurde.
Einzelne Fabrikanten waren sehr schnell erfolgreich. Sie wurden zu wichtigen Arbeitgebern der Region. Zunächst fertigte man die Automaten in dezentraler Heimarbeit. Mitte des 19. Jh. wurde diese Art der Produktion immer mehr durch kleinstädtische Manufakturen abgelöst.
 
Die Pionieren waren z.B. Abraham-Louis Cuendet, Henri Jaccard, Henri Jaccard, Samuel Junod, Louis Mermod, Moïse Paillard oder Jérémie Recordon.

 
Die Glanzzeit der Musikdosenindustrie waren die Jahre 1875 bis 1896.
Ca. 30 Firmen waren in Sainte-Croix und Umgebung tätig. Bekannte Namen waren:
Lassueur, Reuge, Thorens, Mermod, Paillard und Vidoudez in Sainte-Croix und Cuendet in L’Auberson.
 
Eine weltweite Wirtschaftskrise zwischen 1875 - 1880 unterbrach diesen Trend abrupt. Die zweite Wachstumsphase setzte um 1878 ein und intensivierte sich ab ca. 1881.
Bereits 1887 ging über ein Drittel des gesamten Spieldosen-Exports nur in die USA. Innerhalb von nur 11 Jahren - zwischen 1883 - 1894 - verdoppelte sich die Jahresproduktion von 100 000 auf 200 00 Stück (!)
 
Antique 5-Bell Cylinder Music Box von Paillard um 1885  Video mit Ton
 
 
Am Ende des 19. Jahrhundert kündigt sich erneut eine große Krise an.
Ab 1896 beginnt die Nachfrage nach Spieldosen rapide zu sinken, der Untergang einer spezialisierten Industrie steht bevor. Der Grund lag darin, dass die Schellackplatte im Oktober 1896 - abspielbar mit einem Grammophon - erfunden wurde !
 
 
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Jede Tonzunge mußte einzeln angefertigt, abgestimmt und dann auf den Zungenbalken aufgeschraubt werden.
 
Wie man sich denken kann, war das eine recht mühselige Arbeit.
Beispiel für
einzeln aufgeschraubte Tonzungen
 Schlüsselaufzug - Kraftausgleich mittels
Schneckenrad und Kette.
Zylindermasse: 164 x 33 mm - 3 Melodien
86 einzeln aufgeschraubte Tonzungen.
Die Basstöne sind hier links
und rechts aussen,
welches den V-förmigen Kamm bedingt.
 
> Hergestellt in Genf um 1818 <
zylinder_spieldose_1818_86_einzelne_tonlamellen.jpg
 
 
 
Beispiel für Tonzungen in Segmenten aufgeschraubt.
 Uhrensockel m. Musikdose
92 Töne in 2er Segmenten
 
> Genf um 1823 <
 
einzelne_tonzungen_spieldose.jpg
 
Wenige Jahre später - ab ca. 1821 - gelang es aber vier bis fünf Tonzungen aus einem Stück Stahlblech anzufertigen. Das stellte eine große Verbesserung dar.
Der Tonkamm bestand hier aus einzelnen kleinen Tonkämmen, also völlig separaten Segmenten.
 
Bereits 1810 gelang es einem Genfer Hersteller mittels einer speziellen Fräsmaschine den Spielkamm aus einem Stück Stahl herzustellen.
 
 
Was ist eigentlich ein Tonkamm?      
Er ist ein Objekt aus Stahl in der Form eines Kammes mit abgestuften Zähnen von kurz nach lang. Diese Zähne dienen als Tonzungen. Jede Tonzunge wird auf einen ganz bestimmten Ton gestimmt. Zum Beispiel: C, Cis D, Dis, E, F usw.
 
Mit zunehmend tieferem Tönen vergrößerte sich die Länge der Tonzungen. Für Basstöne ergaben sich so unhandlich lange Zunge, so daß man die Spielwerke in sehr großen Kästen hätte unterbringen müssen.
 
Die rettende Lösung bestand im Anlöten von massiven Bleigewichten unter den Zungen der tieferen Töne. Damit ließ sich die Zungenlänge bedeutend verkürzen. Eine techn. Lösung, welche von jetzt an immer angewandt wurde.
 
walzenspieldose_16.jpg
So sieht die Unterseite eines Tonkamms aus !
 
Gelber Pfeil  =  angelötetes Bleigewicht
 
Roter Pfeil    =  Dämpferfeder aus Federstahl
 
Grüner Pfeil  =  Konischer Stift zum Festhalten der                           Dämpferfeder
 
Tonzungen abgebrochen ?
Ein drehender Zylinder - der mit Stahlstiften besetzt ist - tastet diese Tonzungen ab und bringt sie in Schwingung, wodurch Töne hörbar werden und somit eine Melodie entsteht.
 
Abgebrochene Tonzungen sind also nicht so leicht zu ersetzten, da man den genauen Ton kennen muss auf welchem gerade diese Zunge ursprünglich gestimmt wurde. Außerdem muß die Stahl-Legierung möglichst genau dem Original entsprechen.
 
Die Tonzungen sind auch nicht in der Art einer Tonleiter - wie beim Klavier - gestimmt (!) Restauratoren müssen hier also viel Erfahrung und am besten eine musikalische Grundausbildung mitbringen.
 
 
Stiftwalzen         
Stiftwalzen haben den Vorteil, dass man sie seitlich verschieben kann. Das ermöglicht das Aufzeichnen von mehreren Melodien auf derselben Walze.
 
Ursprünglich sah man für die Stiftwalzen ein dünnes Messingrohr vor. Bei den allerersten Spieldosen hatten die Stifte eine konische Form und steckten ohne weiteren Halt in den Löchern des Zylinders fest.
 
Bald entwickelte man eine wirtschaftlichere Methode. Man verwendete Stahldraht vom genauen Durchmesser der Löcher wobei man das Einführen durch konisches Anfeilen erleichterte.
 
Hatte man die Stifte schon vorher zugeschnitten, so presste man sie mit einer Poussette in die Löcher und befestigte sie, indem man eine dünne Schicht  Schellack in den Zylinder goss. Diese Schellack Schicht im innern des Mesingzylinders wirkte sich auch sehr positiv auf das allgemeine Klangbild aus. Die Töne klangen "voller".
 
Zum Festsetzten der Stifthöhe montiert man den Zylinder auf seiner Achse auf einer Drehbank. Mit Hilfe von Feile und Schleifstein, stutzte man die Stifte bis alle die richtige Höhe hatten.
 
Zylinder Walzenspielwerk 1.jpg
 
Schon ein winziger Unterschied von 3/100 mm wirkt sich
auf das Anzupfen der Tonzungen aus.
 
Insgesamt eine Arbeit von grösster Präzision.
Die einzelnen Liedtitel sind im Abstand von
ca. 0,4 mm  auf der Walze gestiftet.
 
Ist ein Lied zuende gespielt, bewegt sich der Zylinder also
um 0,4 mm nach rechts um das nächste Lied zu spielen,
was höchste mechanische Präzision erfordert.
 
Diese Stahl-Stifte haben oft einen Durchmesser von nur
0,3 mm (!) und stehen ca. 1 mm (!) von der
Walzenoberfläche hervor.
 
Die Anzahl der benötigten Stifte schwankt je nach Größe
und Durchmesser eines Zylinders von 100 bis zu 30000, manchmal sogar 40000 Stück !
Zylinder Walzenspielwerk 2.jpg
 
Wie schon erwähnt, goss man mehr Schellack in den Zylinder als nötig war, um die Stifte zu befestigen, so verbesserte das den Klang erheblich. Der Zylinder tönte nicht mehr so spröde, womit unerwünschte Resonanzen gemeint waren. Und die Bässe wurden verstärkt da der Zylinder den Masse-Effekt der Platine unterstützte.
So "streckte" man die Füllmasse mit Stein- oder Ziegelstaub - eine Mischung, die man damals auch als "Zement" bezeichnete.
 
Ein großer Nachteil der Walzenspieldosen bestand jedoch in ihrem begrenzten Musikrepertoire.
 
Meistens spielt eine Walze 4 bis 6 Musiktitel. Da die Walzen - bis auf Ausnahmen - nicht austauschbar waren, musste man, war man der Musik überdrüssig - eine neue Spieldose kaufen.
Ab 1885/86 erfand man aber die Plattenspieldose mit leicht wechselbaren und billig herzustellenden Metall-Platten. Damit war zwar dieses "Problem" beseitigt. Die neue Erfindung führte allerdings zum raschen Niedergang der Walzenspieldosen-Industrie (!)
 
 
Walzenspieldosen ab 1820
Ab etwa 1820 wurden Walzenspieldosen in der Form gebaut, wie wir sie heute kennen. Sie sind an ihrem schlichten Gehäuse aus Nadelholz zu erkennen, das oft nicht mal ordentlich furniert ist.
Eine Datierungstabelle zu alten Walzen- Spieldosen finden Sie hier ->  Klick hier
 
Der Kamm besteht nicht aus einem Stück, sondern aus einzeln verschraubten Zähnen und später aus Gruppen von 2 - 5 Zähnen. Vor 1820 ist der bekannte einteilige Kamm nur selten zu finden, ab etwa 1850 aber wird nur noch der einteilige Kamm Standard.
 
le_coultre_6_airs_cylinder_music_box.jpg
 
le_coultre_1840_4tunes.jpg
Frühe Le Coultre Musik Box
6 Musikstücke Schlüsselaufzug
 
Frühe Le Coultre Musik Box. Um 1840
6 Musikstücke. Schlüsselaufzug
 
Die Walzenspieldosen aus dieser Zeit zeichnen sich durch kleine Gehäuse aus, welche kaum größer als das Spielwerk sind. Die Walzen sind meistens für vier, maximal sechs Musikstücke gestiftet.
Die Grundplatte besteht aus poliertem Messing.    Video mit Ton     Video mit Ton
 
 
 
Walzenspieldosen ab 1840
Ca. um 1840 begann die industrielle Fertigung von Walzenspieldosen. Infolge der Konkurrenz wurden bedeutende Verbesserungen eingebaut - wie zum Beispiel Glocken und Trommeln.
 
Zu Beginn wurden diese "Zusatzinstrumente" versteckt unter dem Spielwerk eingebaut.
 
Später waren sie dann sichtbar und oft hinter der Walze angebracht.
Frühe Nicole Freres Spieldose mit "versteckter" Instrumentierung
um 1850.
Trommel + Kastagnette
+ 6 Glocken.
4 Musiktitel gestiftet.
 
 
nicole_freres_1850_versteckte_trommel_kastagnette_6_glocken_4_Titel.jpg
 
 
versteckte_glocken1_spiledose.jpg 
versteckte_glocken2_spieldose.jpg
Spieldose mit 10 versteckten Glocken
und versteckter Blechtrommel.
Rätschenhebel, Zylinder 384 x 54 mm, 6 Melodien,
Kamm m. 106 Tönen, 10 Glocken m. 17 Schlegeln,
1 Blechtrommel (links) m. 10 Schlegeln.
Alles unter der Platine angeordnet.
Alliez & Berguer - Genf um 1855
 
 
 
Fünf Klangbeispiele kleinerer Walzenspieldosen
 
Allegro Menuett von Mozart
Die Vier Jahreszeiten von Vivaldi
Gavotte Menuet von Mozart
Rigoletto Aida von Verdi
Wiener Leben von Strauss
 
 
 
Walzenspieldosen ab 1870
Ab 1870 wurde die polierte Messinggrundplatte durch eine gerippte Gußeisenplatte abgelöst, welche mit Bronze- oder Silberfarbe angestrichen wurde.   
 
 
zylinderspieldose klein sechs titel 20.jpg
Oberfläche in typischer "Rosenholz" Imitation
für einfache Walzenspielkästen.
Zu hunderttausenden hergestellt.
Die Holzkästen bestanden normalerweise aus billigem Nadelholz. Die Oberflächen der teureren Modelle wurden jetzt aber furniert und aufwändig mit Einlegearbeiten versehen.
 
Bei vielen der einfacheren Holzkästen versah man die Oberflächen mit einer Art "Rosenholz-Immitation".
 
walzenspielwerk_glocken_02.jpg
 
Oberfläche aufwändig furniert
mit Einlegearbeiten
für teure Walzenspielkästen. 
 
 
Die wohl bekanntesten Hersteller von Walzenspieldosen aus der Schweiz waren die Gebrüder Nicole Frères.
Walzenspieldose Nicole Freres mit 9 Glocken, Ser. No. 50142  Video mit Ton
mit neun Glocken teilw. in Vogelform. Diese hervorragend klingende Zylinder Music-Box spielt u.a. Melodien von Verdi, La Traviata und Trovatore sowie Strauss', Blue Danube. Nicole Freres
 
Sie produzierten von 1815 bis 1903 Walzenspieldosen von gleich bleibend hoher Qualität, welche alle mit dem Namen Nicole Frères im Kamm gekennzeichnet sind und eine Seriennummer in der Grundplatte tragen.
Walzenspieldose Nicole Freres aus Genf um 1848 - 6 Titel  Video mit Ton
nicole_freres_zylinder_14cm_4_melodien.jpg
 
Frühe Spieldose von
Nicole Frères um 1835
 
4 Musiktitel gestiftet.
 Walzenlänge nur 14 cm.
Seitlicher Schlüsselaufzug.
 
 
Eine Datierungstabelle für Nicole Frères Walzenspieldosen finden Sie hier  Wie man Blechplatten für Spieluhren repariert
 
nicole freres um 1870 6 titel 106 zaehne 28 cm walzenlaenge.jpg
nicole freres um 1870 6 titel 106 zaehne 28 cm walzenlaenge 2.jpg
Frühe Nicole Frères Spieldose
6 Titel gestiftet - Walzenlänge 28 cm
Kamm mit 106 Zähnen.
 
 
 
 
 Forte-Piano Spieldosen und deren Varianten ab 1840
 
Am einfachsten ließ sich die Lautstärke einer Musikdose variieren.
Man setzte mehrere Tonkämme aus weicherem oder härterem Stahl ein oder arbeitete mit kurzen und langen Stiften auf den Zylindern, was ebenfalls unterschiedlich laute Klänge ergab.

Solche Objekte mit Lautstärken-Dynamik wurden als Forte-Piano Musikdosen bezeichnet und waren zwischen 1840 und 1875 sehr beliebt.
Forte Piano Spiedosen
Nicole Freres
 
Video mit Ton
 
Video mit Ton
 
 
Für die Lautstärke-Dynamik gab es verschiedene Möglichkeiten !
 
music_box_piano_forte.jpg
Piano-Forte Spieldose
Zwei Tonkämme.
4 Melodien - 111 Forte
und 58 Piano Tonzungen.
Fa. Metert & Langdorff
> Genf um 1848 <
1. Durch kurze Stifte beim leisen (piano) und lange Stifte beim lauten (forte) Kamm. Das bewirkte natürlich ein unterschiedlich starkes Anzupfen der Tonzungen.
 
Die Kämme werden abwechselnd gespielt, was beachtliche Klangeffekte ergab. Bei besonders lauten Stellen des Musikstücks ließen sich beide Kämme zugleich anreißen. Um ein exakt gleichzeitiges Ansprechen zu erreichen, war eine besonders präzis ausgeführte Bestiftung nötig.
 
2. Beide Tonkämme werden durch gleich lange Stifte auch gleich stark angezupft. Der leise/piano Tonkamm hat aber leichtere Bleigewichte und dünnere Zungen, deshalb klingt er etwas leiser.
 
3. Diesen Spieldosen-Typ gab es häufig auch mit nur einem Kamm, das Prinzip war das gleiche.
Die Tonzungen werden von langen und kurzen Stiften unterschiedlich stark angezupft, wodurch leise und laute Töne entstehen. Die Herstellung dieser Stiftzylinder mit unterschiedlichen Stiftlängen war ausgesprochen aufwendig (!)
 
 
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Orchseter-Spieldosen mit zusätzlichen Instrumenten ab ca. 1855
 
 
Orchester Spieldose mit "Harmonium" (Zungenpfeifen)
Neun Glocken und einer Trommel. Siehe Video.
 
Außergewöhnliche Schweizer Spieldose
- Orchester-Spieldose -
6 Glockenhalbschalen,
Glockenhämmer als Chinesen,
Trommel u. Kastagnette,
2x Zither-Effekt und
pneumatische Harmonika.
Schweiz/Genf um 1890
 
Ab etwa 1855 wurden in die Musikdosen noch weitere zusätzliche Instrumente eingebaut. Dem Erfindungsgeist waren kaum Grenzen gesetzt.
Schon um 1860 kamen vermehrt raffinierte Konstruktionen mit zahlreicher Instrumentierung zum Einsatz, welche man auch Orchesterspieldosen nannte. Es kamen kleine Trommeln (Snare-Drums) , Orgelpfeifen, Glocken, Kastagnetten und Pauken und vieles mehr hinzu.
Beonders beliebt war der Einbau eines zusätzlichen Glockenwerks.   Die Glocken - meist in Halbschalenform - wurden von einem separaten Kamm -  ebenfalls über die Walzenstifte - gesteuert.
Manchmal waren es bis zu zwölf und mehr Glocken.        
 
 
Spieldose von George Bendon/ Schweiz um 1890 mit 9 Glocken   Video mit Ton
 
Orchester Spieldose von Paillard/ Schweiz um 1880.
7 Glocken, Trommel, Kastagnette, 12 Titel  Video mit Ton
 
 
Dabei hatten diese technischen Zugaben mehr Schaucharakter. Klanglich waren sie eigentlich von untergeordneter Bedeutung.
Ja, es gibt sogar Sammler alter Spieldosen, welche das zusätzliche "Klappern" der Trommeln und Kastagnetten als unangenehm und eher als störend empfinden. Jeder mache sich selbst ein Bild....
Dennoch werden gerade diese Spieldosen heute wg. ihrer aufwändigen Mechanik sehr gesucht, und sind auch entspechend wertvoll und teuer (!)
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Spieldose des Schweizer Herstellers Paillard um 1870.
 
Mit Trommel + Glocken + Kastagnetten.
 
Antique Music Box with drum, bell and castanet by Paillard.
 
 
Hier noch ein weiteres sehr schönes Beispiel einer Bremond Orchesterspieldose mit 33 cm Walze Trommel, Kastagnetten und 6 Glocken. Sechs Melodien pro Walze.
 
 
 
 
 
Orchester Spieldosen   Klick auf die Fotos zum Vergrößern 
walzenspielwerk_glocken1.jpg
walzenspielwerk_glocken2.jpg
Walzenspieldose mit 7 Glocken. Glockenhämmer
in Schmetterlingsform, auswechselbare Walze,
Zither-Effekt-Mechanik, Ratschenaufzug.
Walzenspieldose mit 6 Glocken
Glockenhämmer in Schmetterlingsform
 
walzenspielwerk_3_chinesen.jpg        walzenspielwerk_3_chinesen_ausschnitt.jpg
 
orchesterspieldose_8titel_43zungen_trommel_3glocken.jpg
Walzenspieldose mit Glocken,
Trommel und Liedanzeiger.
Glockenhämmer als Chinesen
Kleine Orchesterspieldose
8 Musiktitel - 43 Tonzungen
Trommel + 3 Glocken
spieldose_3_chinesen_01.jpg                 spieldose_3_chinesen_02.jpg
spieldose_3_chinesen_03.jpg        spieldose_3_chinesen_04.jpg
 
Walzenspieldose mit 6 Glocken und den beliebten Chinesen
Mit beweglichem Kopf welche die Glockenhalbschalen anschlagen
 
Chinesen als Glockenschläger
Video mit Ton
Video mit Ton
 
Weitere Walzenspieldosen mit Glockenwerk gibt es hier zu sehen ---->   
 
 
 
 
 
 
Voix Célestes / Zungenpfeifen / Luftinstrumente
 
Neue Klangfarben steuerten auch die Voix célestes bei.
 
Das sind Zungenpfeifen, die ein Blasbalg mit Luft versorgt. Zur Ansteuerung dienten Stiftbrücken auf dem Zylinder.
 
Die Voix célestes sind ein Zusatzinstrument, das hohe Präzision bei Herstellung und Montage erforderte, damit dieser Effekt befriedigend ausfiel.
 
Sie wurden auch als "Engelsstimmen oder Himmlische Stimmen" bezeichnet.
 
Video ansehen? Hier klicken !
 Anschauliches Video zur Funktionsweise
 
Spieldose mit Harmonium voix celestes 16 Zungen
 
6 Musiktitel gestiftet. 7 Glocken
Harmonium voix célestes mit 16 Zungen
72x44 cm Höhe 29 cm - Um 1880
 
 
 
Spieldose mit Zungenpfeifen/Voix célestes
 
Video mit Ton
 
 
zylinderspieldose_durchschlagende_zungen 1.jpg
Die Kombination mit dieser - auch Harmonika genannten - Einrichtung war recht erfolgreich, wenngleich man sie heute im handelsüblichen Angebot alter Spieldosen nur noch selten findet. Auch diese Modelle sind natürlich sehr hochpreisig !
 
Excellente Orchester Spieldose von George Baker aus Genf mit
Voix célestes, 6 Glocken, Trommel, Kastagnetten und Zitherfunktion.Video mit Ton
 
A large and impressive full orchestral antique music box made by George Baker of Geneva.
This box has everything going for it: 6 individually engraved and partly enamelled bells featuring
an array of birds and flowers; a snare drum; castanet; a retractable 18-note reed organ;
2 zither bars; large double springs for longer running time; speed control; and a tune selector.
The drums, bells, castanet and, unusually, the organ can all be engaged and disengaged at will.
The entire musical movement has been fully overhauled. The box plays 12 operatic airs.
 
In der Mitte des Tonkamms gab es dazu eine Zungen-Sektion.
Dazu war ein spezielles Gebläse nötig, welches durch dasselbe Federwerk angetrieben wurde, das auch die Stiftwalze drehte sowie die Schöpfbälge antrieb.
 
Walzenspielwerke mit eingebautem Harmonium kann man auch hier ansehen.
 
zylinderspieldose_durchschlagende_zungen 2.jpg
 
 
 
engelsstimmen_spieldose3.jpg
engelsstimmen_spieldose2.jpg
 
 
 
engelsstimmen_spieldose1.jpg
Hier eine weitere sehr interessante und wertvolle
 
Orchestrion Flute Spieldose mit Zungenstimmen.
Aber völlig OHNE Tonzungen (!)
 
In der Mitte die Zungensektion für die Harmonika, die Kämme links und rechts dienen zur Steuerung von Glocken, Trommel und Kastagnetten.
 
- Vermutl. Sainte-Croix um 1890 -
Ratschenaufzug, Zylinder 175x62 mm, 10 Melodien,
Melodienanzeiger, 20 Zungenstimmen, 3 Glocken, Trommel, Kastagnette.
 
 
 
 
 Video der "GSM"
Vorführung diverser Selbstspielender Musikinstrumente
Gesellschaft für Selbstspielende Musikinstrumente e.V.
Video mit Ton
 
 
 
 
Zither- oder Mandolinen- Effekt ab 1876
Der Zither- oder auch Mandolineneffekt wird im wesentlichen durch zwei Verfahren erzeugt.
 
1. Durch eine Rolle "Seidenpapier" welche in leichtem Kontakt mit dem Tonkamm- den schwingenden Tonzungen - gebracht wird. In der Mitte des Tonkamms befindet sich dazu eine entsprechende Vorrichtung zum Heben und Senken.
 
2. Durch Gruppen von gleichgestimmten Lamellen, die kurz hintereinander angezupft wurden.
 
mermod walzenspieldose 07.jpg
Auf dem Bild links, sieht man sehr gut die Vorrichtung
zum An- Abschalten des sog. Zither-Effekts
 
Mermod Fréres Walzenspieldose
 
Die Papierrolle (sehr dünnes Seidenpapier)
befindet sich unter der rechteckigen Verblendung.
 
Weitere Fotos
 
 
Bereits bei Antoine Favres allererster Erwähnung seiner Erfindung im Jahr 1796 wurde von vibrierenden Stahllamellen und einem "Mandolinenklang" gesprochen.
 
Die Arrangeure verstärkten diesen Effekt, indem sie Tremolo-Passagen einfügten. Dafür verwendeten sie Gruppen von gleichgestimmten Lamellen, die kurz hintereinander angezupft wurden. Herausheben liess sich dieser Effekt mit einem Dämpfer aus Seidenpapier, der einen Teil des Tonkamms abdeckte.  Video mit Ton
 
Das Seidenpapier wird durch die schwingenden Tonzungen angeregt, und schwingt entsprechend mit. Ähnliches Prinzip wie das Kinderspielzeug Kamm mit Seidenpapier bespannt und ansummen  Video mit Ton
 
Diese Zither- oder Mandolinen Vorrichtung weist einen Hebel auf, mit welchem der Kontakt zum Tonkamm manuell hergestellt und wieder gelöst werden kann.  Dieses Akzessoire erschien erstmals bei hochwertigen Spieldosen, die Jaccard-Walther aus Sainte-Croix 1876 auf einer Ausstellung präsentierte. Dieser Effekt ahmte also den Klang des populären Volksmusikinstruments nach.
 
 
 
Münzeinwurf  engl. = Coin operated
 
 
walzenspielwerk_mit_puppen.jpg 
 
Walzenspieldose
mit Münzeinwurf
Geschäftstüchtige Restaurantbesitzer kamen auch auf die Idee mit der Musikdarbietung von Walzen-Spieldosen Geld zu verdienen.
Video mit Ton
 
Also konstruierte man einen entsprechenden Münzeinwurf. Nach Einwurf des Geldes begann sich die Walze zu drehen und das Musikstück erklang.
 
Oder man ließ die "Puppen tanzen". Video mit Ton
Auf dem linken Foto sieht man das Beispiel einer Spieldose mit drei - sich zur Musik drehenden - Püppchen. Sie auch das Video !
 
Weitere Beispiele einer Walzen- Spieldose mit Münzeinwurf
 
Kleines Tischgerät mit Trommel + Glocken für Gaststätten. 5-Pfennig Münzautomat       
 
 
 
Interchangeable Cylinder Music Box ab 1850 /  Wechselbare Walzen
Um 1850 kamen die ersten Spieldosen mit auswechselbaren Walzen in den Handel. Dadurch erhielt der Käufer die Möglichkeit, auch später noch weitere Walzen mit neuen Melodien nachzubestellen.
 
Noch ließen sich die einzelnen Zylinder nur auf einem bestimmten Instrument abspielen.
Erst die fabrikmässige Produktion ab 1870 brachte kalibrierte Zylinder, die auf jede Musikdose eines Modells paßten.
 
 
Mermos Freres
- Mermod Freres auf einer Ausstellung -
Der Schweizer Uhren- und Spieldosenhersteller
Mermod Freres. Die Firma Mermod wurde
1816 von Louis Mermod in Ste. Croix gegründet.
Mermod Freres
Interchangeable Cylinder Music Box
 
Video mit Ton
 
This rare and monumental Interchangeable Cylinder Music Box features the largest movement ever manufactured by Mermod Frères of Ste Croix, Switzerland.
It was made exclusively by special order, and sold for the princely sum of $1,000 when new in 1900.
 
Only ten in this size are known to have been made. This exceptional example is completely original and has been restored to the highest standards .
 
 
 
 
Interchangeable
Cylinder Music-Box
Wechselbare Walzen
 
Video mit Ton
walzenspielwerk_wechselbare_walzen_mit_zither.jpg
 
walzenspielwerk_wechselbare_walzen.jpg
walzenspielwerk_wecheslbare_walzen.jpg
interchangeable cylinder paillard.jpg
Interchangeable Cylinder Music-Box
von Paillard / Schweiz
 
 
melodienzettel walzenspieldose.jpg
 
Beispiel eines Melodienzettels einer
erstklassigen Walzen-Spieldose um 1883
des Genfer Herstellers B.A. Brémond
mit vier austauschbaren Walzen.
Diese auswechselbaren Walzen wurden gesondert für eine bestimme Spieldose angefertigt und mit dieser auch geliefert.
 
Eine Austauschbarkeit mit den Walzen anderer Spieldosen Hersteller war allerdings nicht möglich !
 
Drei  Bilder einer Walzenspieldose kompl. mit Aufbewahrungs-Tisch für sechs Walzen.
 
     
 
Mit austauschbaren Walzen befaßte sich hauptsächlich die Firma Mermod Fréres aus der Schweiz.
So wie man es bei dieser schönen Walzenspiel-Dose sehen kann.   
 
Mermod Fréres legte großen Wert darauf, dass man die Walzen in allen Spieldosen derselben Bauart abspielen konnte.
 
 
 
Revolver-Spieldosen ab 1880
 
walzenspielwerk_revolver 2.jpg
walzenspielwerk_revolver 1.jpg
  
Mehrere Zylinder auf einen Griff standen bei Musikdosen mit drehbarer Revolver-Halterung ab etwa 1880 zur Verfügung.
 
Die durchschnittliche Spieldauer einer Musikdose von bisher vier bis zwölf Melodien zu je einer Minute vergrösserte sich damit auf das Drei- bis Sechsfache (!)
Ähnlich einem Patronenlager waren hier drei, vier oder sechs Walzen kreisrund angeordnet. Waren die sechs Melodien pro Walze abgespielt, drehte sich der Mechanismus um eine Walze weiter.
Eine sehr schöne Detailansicht der Revolver-Mechanik kann man auch hier sehen. 
 
 
Die meisten Fotos lassen sich durch Anklicken vergrößern !
 
 
Duplex-Spieldosen
Man stellte auch Spieldosen mit zwei Zylindern her. Dass zur Fertigung dieser Duplex-Spieldosen eine ganz besonders hohe Präzision nötig war ist selbstverständlich.
 
Duplex Spieldose
Duplex Spieldose von Ami Rivenc Genf um 1890
duplex_spieldose2.jpg
duplex_spieldose1.jpg
Der Mechanismus besteht aus
zwei synchronisierten Spieldosen.
Die Verdoppelung bringt größere Lautstärke.
Da das Lagerspiel die Synchronizität
beeinträchtigt, ist die Wiedergabequalität nicht
unbedingt hervorragend. Es gibt verschiedene
Patente für Duplex-Dosen.
- Duplex Spieldose
Doppeltes Werk m. Kurbelaufzug
und je zwei Federgehäusen.
Vernickelt, zwei identische
Zylinder a´ 330 x 62 mm
10 Melodien.
Sainte-Croix um 1895
Duplex Spieldose
Zwei Zylinder 171 x 62 mm auf einer
Achse angeordnet.
Ratschenaufzug. 10 Melodien.
Zwei Tonkämme a´ 30 Tonzungen
Ami Rivenc, Genf um 1890
 
 
 
 
Plérodiénique-Spieldosen ab 1882
Um auch Melodien spielen zu können, deren Länge mehrere Umdrehungen einer Walze benötigte, erfand man die sogenannte Plérodiénique-Spieldose.
 
Plérodiédique Spieldose um 1890
 
2 Federgehäuse hintereinander.
Zylinder = 442 x 62 mm.
2 Melodien auf 6 Umgängen.
2 Kämme mit 79 und 78 Tönen.
plerodienique_spieldose1.jpg
plerodienique_spieldose2.jpg
 
Bei Musikdosen der Bauart "Plérodiénique" wechseln sich zwei gekoppelte Zylinderhälften beim Spielen ab.
Während die eine Hälfte spielt, wechselt die andere die Spur und übernimmt danach ohne Unterbrechung die Melodie. Die Spieldauer einer Melodie wuchs damit auf über fünf Minuten. (!)
 
Hier ist der Zylinder in der Mitte geteilt. Eigentlich sind es zwei Walzen.
Die seitliche Verschiebung der beiden Walzenteile geschieht nun nicht gleichzeitig, sondern in einem bestimmten zeitlichen Abstand. Eine Walze spielt, die andere wird in der Zwischenzeit seitlich verschoben. So können Melodien bis zu sechs Umgängen ohne Unterbrechung abgespielt werden.
Dieses System wurde 1882 von A. Jeanrenaud für die Fa. Paillard patentiert.
 
 
 
Semihelicoidal-Spieldosen
Bei Musikdosen mit helikoidaler, also schraubenförmiger Anordnung der Stifte, wird der Zylinder während des Spiels auch noch seitlich verschoben.
Wie beim System Plérodiénique werden sämtliche Stifte für ein einziges, durchgehendes Arrangement genutzt.
 
Diese Spieldose erlaubt ein kontinuierliches Spiel über mehrere Umdrehungen des Zylinders. Die Stifte folgen dem Spurwechsel. Ein spezieller Mechanismus gestattet das Abstellen nach dem Ende jeder Melodie, obwohl diese jeweils mitten in einer Umdrehenung aufhören.
Am Ende der 6. Umdrehung wird durch eine spezielle Vorrichtung der Zylinder vom Tonkamm wegbewegt, um das Zurückkehren auf die 1. Spur zu ermöglichen. Ohne diese Bewegung würden die Zylindestifte den Tonkamm beschädigen.
semihelicoidal_spieldose.jpg 
Semihelicoidal Spieldose
 
Zylinder 430 x 80 mm, drei unterschiedlich
lange Melodien auf 6 Umgängen,
2 Kämme mit 82 und 81 Tönen.
> Vermutlich Genf um 1890 <
 
 
 
Sublime-Harmonie Spieldosen
Im Jahre 1874 entwickelte Charles Paillard ein System mit zwei oder mehr Tonkämmen, die je eine vollständige Tonreihe enthielten. Gleich hohe Töne wurden dabei schwebend gestimmt. Beim gleichzeitigen Anzupfen nahmen sie so je nach Stimmung an Intensität zu oder ab. Musikdosen dieser Bauart erhielten das Etikett "Sublime Harmonie"
 
Die Tonkämme werden leicht verschieden - schwebend - gestimmt, so dass beim Zusammenklingen ein intensiver Klang entsteht.
Paillard Sublime Harmonie Tremolo Spieldose  Video mit Ton
Paillard Sublime Harmony Tremolo Spieldose um 1885, Zither-Mechanik. 3 Tonkämme  Video mit Ton
 
Sublimen Harmonie Spieldose mit 2 Tonkämmen. Für 4 austauschbare Zylinder mit je 6 Titeln.
Vermutlich von Mojon Manger um 1890 hergestellt.  Video mit Ton
 
 
Sublime-Harmonie Spieldose
von J.H. Heller aus Bern, um 1880
4 getrennte Tonkämme 37, 37, 24, 24 Töne.
Zylinder 432 x 61 mm, 8 Melodien.
Bei dieser Dose sind die beiden rechten Kämme
gleich gestimmt. (Sublime-Harmonie-Disposition)
Die beiden linken Kämme werden für die
Akzentuierung der Melodie gebraucht.
 
sublime_harmonie_spieldose.jpg
Sublime-Harmonie Orchester Musikdose
Hersteller: Mermod Frères in Ste-Croix ca. 1885.
Werk vernickelt, 3 Chinesen schlagen auf 6 Glockenschalen.
Man sieht deutlich die 2 Kämme, der Sublime-Harmonie Mechanik.
Zylindergröße: 29 x 7 cm. Gehäuse: 65 x 38 x 32 cm.
sublime-harmonie.jpg
 
 
 
 
 
Es ist unglaublich
was in dieser Zeit alles patentiert und erfunden wurde !
 
Jacot´s Safety Check von 1886
Zum Beispiel der sogenannte "Fallschirm"    der bei einem Zahnradbruch das Werk sofort blockiert und zum Stillstand bringt.
Das war Jacot´s safety check. Sein Patant vom 22. sept. 1886.
 
Oder der mechanische Geschwindigkeitsregler für eine stufenlose Veränderung der Geschwindigkeit. Der geräuschlose Aufzug, der Kurbelaufzug usw.......
 
 Große Musikdosen mit Walzenspielwerk wurden zu Zehntausenden, kleinere zu Hunderttausenden hergestellt.
 
Natürlich wurden Walzen- Zylinderspielwerke auch in dutzende verschiedene Gebrauchs- Gegenstände eingebaut. In Stühle, Trinkbecher, Gemälderahmen, Uhren, Spielzeuge und vieles vieles mehr........
 
Abnehmer fanden sich in allen Ländern der Erde. England, Russland, Amerika, China, Indien und der Orient gehörten zu den Kunden der begehrten schweizerischen Spieldosen.
Es ist erstaunlich, wie auch mit größter Selbstverständlichkeit chinesische oder indische Musik auf den Walzen gestiftet wurde. Musik, die doch bestimmt in den Ohren von Schweizern recht fremd geklungen hat.
 
 
Eckardt Weihnachtsbaum Staender.jpgJohannes Eckardt´s drehbarer Weihnachtsbaumständer mit Musik
Video mit Ton
...mit Erklärungen
Nicht zu vergessen ist der klingende Weihnachtsbaum
des erfolgreichen Fabrikanten Johannes Carl Eckardt aus Stuttgart.
 
Eckardt verknüpfte damit zwei eng mit der Weihnachtszeit verbundene Traditionen, den Weihnachtsbaum und die Weihnachtsmusik, und verband diese in einem Instrument.
 
War zuvor Hausmusik noch von den Familienangehörigen selbst gemacht worden, hatten sich seit einiger Zeit die mechanischen Spielwerke auch in Privathaushalten weit verbreitet.
 
Eckardt Weihnachtsbaum Staender 2.jpg
 
Video mit Ton  Video mit Ton
 
Video mit Ton
Mit geschmücktem Christbaum !
 
Jonannes Carl Eckardt stellte im Jahr 1877 einen automatisch drehenden Weihnachtsbaumständer mit einem Walzenspielwerk als Toninformationsträger her.  
 
Später, als man Musik auf Metall-Lochplatten codieren konnte, fertigte er sehr erfolgreich seine Weihnachtsbaumständer auch mit dieser neuen Technik. Am bekanntesten wurde der 100 000 mal verkaufte GLORIOSA Weihnachtsbaumständer. Ausführliche Infos dazu auf dieser Seite !
 
Bereits seit 1836 hatte St. Croix die Stadt Genf in der Produktion von Musikdosen überflügelt. Aber 1887 bekam der Höhenflug der Industrie einen ersten Dämpfer.
  
 
 
 
Eine völlig neue Technologie brachte den
Untergang der Walzenspieldosen-Industrie....
 
Die Lochplatten-Spieldose wurde erfunden !
In Leipzig-Gohlis erfand 1886/87 Paul Lochmann die Lochplatten-Spieldose
 
 
 
Dadurch wurde eine große Konkurrenz zur Walzen-Spieldose geschaffen, denn diese neue Erfindung vereinigte den Vorteil der Austauschbarkeit der Melodien mit bedeutend geringeren Herstellungskosten.
 
Die Fabrikation einer Lochplatte war bedeutend einfacher und billiger herzustellen als das extrem zeitraubende Bestiften einer Zylinderwalze.
Die Schweizer Konstrukteure aus St. Croix ließen sich aber nicht entmutigen und versuchten mit der neuen Konkurrenz - vor allem aus Deutschland - mitzuhalten. Firmen wie Mermod, Thorens oder Paillard in Sainte-Croix wechselten erfolgreich von der Herstellung der Musikdose zur Produktion von Plattenspieldosen. Letztendlich aber doch erfolglos (!)
 
Eine andere Erfindung hatte dann allerdings eine noch viel einschneidendere Konsequenz als die Erfindung der Lochplatten-Spieldose. Nämlich, der Phonograph ! Entscheidend war, dass bereits 1877 Thomas Alva Edison den Phonographen als Patent anmeldete. Damit begann ein neues Zeitalter der Tonaufzeichnung.
 
Erstmals konnten originale menschliche Töne aufgenommem, und danach wiedergegeben werden. Wenn auch noch in erbärmlicher Qualität. Das war natürlich trotzdem eine Sensation. Wer macht sich heute - im Zeitalter der digitalen Aufzeichnung darüber schon Gedanken (!)
 
Und bereits 10 Jahre später erfindet der deutschstämmige Amerikaner Emile Berliner das Grammophon.
 
Es kündigt sich eine große Krise der mechanischen Musik an....
Ab 1896 beginnt die Nachfrage nach Spieldosen rapide zu sinken, der Untergang einer spezialisierten Industrie steht bevor. Der Grund lag darin, dass die Schellackplatte im Oktober 1896 - abspielbar mit einem Grammophon - erfunden wurde !
 
Nicht nur der Phonograph, auch die elektrischen Klaviere und Orchestrione begannen ihren Siegeszug - eine Industrie - die vor allem in Deutschland und den USA ansässig war und ihren Höhepunkt um das Jahr 1923 erreichte.
 
Doch die Krisenzeit der 1930´ iger Jahre brach auch dieser Industrie das Genick.
 
Interessanterweise ist sie heute völlig verschwunden, während die Walzen- Spieldosenindustrie - wenn auch in sehr kleinem Rahmen - auch heute noch aktiv ist.
 
Am selben Ort, an dem früher für Fürsten, Kaiser und Könige Musikdosen hergestellt wurden, werden immer noch Spieldosen hergestellt. Wo? Bei Interesse HIER weiter lesen.....
 
 
 
Die "Zeitschrift für Instrumentenbau" war
von 1880 - 1943 das führende gedruckte Medium
zu Mechanischen Musikinstrumenten (!)
 
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Die Zeitschrift für Instrumentenbau wurde von Paul de Wit 1880 in Leipzig begründet und erschien bis 1943 in dessen Verlag. Sie diente als Fachorgan den Herstellern und dem Instrumentenhandel, war aber in ebensolchem Maße Publikationsmedium für die instrumentenkundliche und instrumententechnische Forschung.
 
In der Zeitschrift für Instrumentenbau wurden während der Frühzeit der industriellen Fertigung von Musikinstrumenten neben allen wichtigen Neuerungen und Erfindungen auch solche aus früheren Jahren und Jahrhunderten publiziert.
Neben reinen Textbeiträgen finden sich viele Tabellen, Abbildungen und technische Zeichnungen, zudem zahlreiche Annoncen von Herstellern und Zulieferfirmen.
 
Die Digitalisierung dieser Quelle ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Staatlichen Institut für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz und dem    Münchener Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek und wurde im Rahmen der Virtuellen Fachbibliothek Musikwissenschaft von der DFG gefördert. Suchfunktionen über die Beitragstitel und über den Volltext der Zeitschrift sind in Vorbereitung.
 
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      Drei empfehlenswerte Bücher zu Alten Spieluhren
und Selbstspielenden Mechanischen Musikinstrumenten
 
 
Speziell zu Walzenspieldosen (!)
Sehr umfangreich mit vielen guten Fachbeiträgen zur
Geschichte & Technik sowie vielen guten Farbfotos.
 
Wohl eines der besten Bücher in Deutscher Sprache
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200 Jahre Musikdosen - Sonderausstellung des Schweizerischen
Landesmuseum 1996 - In Form eines Ausstellungskatalogs
von Eduard C. Saluz
 
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Mechanische Musikinstrumente - Einführung in Technik und Geschichte
 
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Es behandelt alle Arten dieser Instrumente von der Antike bis in die Gegenwart. Es gilt seit langem als deutschsprachiges Standardwerk auf diesem Gebiet.
 
Das Buch war über viele Jahre vergriffen, blieb aber weiterhin sehr gefragt. Autor Herbert Jüttemann verfasste nun eine zweite Auflage, die im Verlag Dohr Köln erschienen ist.
 
Im Buch werden alle Formen von Mechanischem Musikinstrumenten mit sehr vielen Fotos und Abb. wiedergegeben. Dem Leser wird im Gegensatz zu anderen Werken auch in eigenen Kapiteln ihre Funktionsweise mit vielen Schemazeichnungen detailliert nahegebracht.
 
1. Auflage 1987
ISBN-10: 3923639716
 
2. Auflage 2010
ISBN-10: 3936655650
Encyclopedia of
Automatic Musical Instruments
 
Achtung! Alles in engl. Sprache. Mit sehr vielen originalen s/w Fotos
 
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Das Internationale Standardwerk zu Mechanischen Selbstspielenden Musikinstrumenten.
Q. David Bowers - Vestal-Press/New York
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