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Autor dieser Seiten:  Detlef Knick - Berlin 
 
Ausführliche Restaurierungen
Walzen - Spieldosen
 
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     Ausführliche Restaurierungen von
    Walzen-Spieldosen
    Diese Beschreibung wendet sich an erfahrene Mechaniker, Uhrmacher etc.
       
    Für Informationen zu einfachen Restaurierungsarbeiten
    an Walzenpieldosen bitte hier klicken Hier klicken
      
    Walzenspieldose um 1880  mit 6 Glocken und Chinesen als Glockenhämmer
     
     
     
    Die Walzenspieldose und ihre Reparatur 
     
    Vorwort:
    Es gibt zahlreiche Walzenspieldosen welche inzwischen weit über 100 Jahre alt sind, und diese Zeiten mehr oder weniger beschädigt überlebt haben.
    Daher werden viele Uhrmacher auf die Reparatur einer solchen Antiquität angesprochen. Diese Walzenspieldosen - auch Musikdosen (engl. = Music Box) genannt - gehören natürlich nur in die Hände von Fachleuten welche etwas von diesem ganz speziellen Handwerk verstehen (!)
     
    Doch unter den vielen (Antik-) Uhrmachern in Deutschland die vielleicht auch 100 Jahre alte Großuhren reparieren können, gibt es nur sehr wenige welche Reparaturen an Walzenspieldosen zufriedenstellend durchführen können.
    Restauratoren für Walzen- und Plattenspieldosen muss man in Deutschland "mit der Lupe" suchen.
    Viele dieser Spezialisten arbeiten auch in England, der Schweiz oder den U.S.A.
     
    Walze mit sehr vielen Stiften einer hochwertigen Spieldose
    Der Antriebsmechanismus hat viel Ähnlichkeit mit einem Uhrwerk.
    Der Musikteil dagegen weicht erheblich davon ab und erfordert ganz spezielle Kenntnisse, die man sich nur bei Fachleuten - welche sich schon länger erfolgreich mit Reparaturen von Musikdosen beschäftigt haben - erwerben kann. Nur sie kennen alle Einzelheiten.
     
    Für das Stimmen erneuerter Zungen wäre auch eine fachlich fundierte musikalische Grundausbildung von Vorteil.
    Nicht jeder Antik-Uhrmacher der behauptet eine Restaurierung durchführen zu können, ist dazu auch wirklich in der Lage.
    Bei den Walzenspieldosen ist die teilweise Neubestiftung der Walzen und das Erneuern von Kamm-Spitzen oder komplette Erneuern von Tonfedern absolute Spezialistenarbeit.
    Ähnliches gilt für die unter den Tonfedern befindlichen Dämpfer-Federn. Wenn die Spieldose beim Abspielen klirrt und kratzt, sind diese meistens abgefallen, fehlen ganz oder sind dejustiert.
     
    Für diese über 100 Jahre alten Antiquitäten gibt es keine käuflichen Ersatzteile, wie offenbar mancher meint.
    Die Tonkämme und Stift-Walzen sind exakt aufeinander abgestimmt und können natürlich nicht irgendwo nachgekauft oder durch ähnlich aussehende Kämme und Walzen ausgetauscht werden.
    Es muss alles in feinmechanischer Präzisionsarbeit neu angefertigt werden.
     
    Bei den Lochplatten-Spieldosen mit Metallplatten - wie z.B. von den Herstellern Symphonion, Polyphon, Regina usw. - befindet sich die Toninformation ja auf der Metallplatte selbst.
    Für die Tonferden allerdings gilt das gleiche wie bei den Tonfedern einer Walzenspieldose (!)
     
    Bedenken Sie, dass die Tonfedern auf je einen ganz bestimmten Ton gestimmt sind, und sich unter den Bassfedern genau abgestimmte Bleigewichte befinden.
    Eine oder mehrere abgebrochene Zungen können bei sachgemäßer Ausführung wie neu ersetzt werden. Sind mehrere nebeneinander liegende Zungen abgebrochen, wird das Stimmen der Zungen sehr schwierig (!)
    Warum?
    Die Tonfolge ist unter dem Kamm normalerweise nicht markiert. Man weiß daher nicht, wie die einzelnen Töne angeordnet sind, zumal die Zungen einer Musikdose nicht in einer normalen Tonfolge etwa wie bei einem Piano gestimmt sind.
     
    In einem solchen Fall muß man raten, der Erfolg hängt dann von Fingerspitzengefühl und Erfahrung ab!
    Leichter für denjenigen, der eine fachlich fundierte musikalische Grundausbildung hat.
    Im folgenden steht das Bemühen das Wesentliche der Walzenspieldosen-Reparatur klar und verständlich zu beschreiben. So gut es eben in gedruckter Form möglich ist. Die folgenden Ausführungen behandeln die wichtigsten Defekte und Reparaturen, welche bei einer Walzenspieldose auftreten können.
     
    Häufig reicht es eine zu langsam drehende und unansehnlich aussehnde - aber mechanisch intakte Walzenspieldose - nur zu demontieren, alle Teile sachgerecht zu reinigen, zu justieren, zu ölen und zu fetten. Informationen dazu finden Sie hier:  Hier klicken
     
     
     
     
     
     
     
    Prüfung der Musikdose
    Vor Beginn einer Reparatur sollte man prüfen, ob das Werk einen RUN gehabt hat. Unter einem RUN versteht man das unkontrollierte Ablaufen der Stiftwalze. Das passiert, wenn die Hauptfeder aufgezogen ist, aber der Windflügel nicht im Eingriff mit der Walze ist.
     
    Hunderte von Musikdosen sind jedes Jahr dadurch zerstört worden. Stifte auf der Walze verbiegen sich oder brechen völlig ab, auch Zungen des Tonkammes können abbrechen. Ein RUN tritt auch ein, wenn vor dem Entspannen der Hauptfeder der Windflügel demontiert wird. Dadurch wird die Regelung der Federkraft unwirksam, und die Walze dreht plötzlich durch.
    Schon kleine Schäden am "Drehzahlregler" (Windflügel) können einen leichten RUN auslösen und damit zu schweren Schäden an den Stiften führen, die sich verbiegen oder abbrechen können.
     
    HINWEIS: Ab und zu kommt es vor, dass Verkäufer von Walzenspieldosen behaupten, die Melodien würden besonders "exotisch" klingen mit der Begründung zum Beispiel:
    "Die Spieldose wurde extra für den asiatischen Markt gefertigt". Daher die für unsere Ohren
    disharmonischen Klänge (!)
    Vermutlich wurden tatsächlich Endes des 19. Jh. Walzenspieldosen z.B. für das Osmanische Reich und deren Musikgeschmack hergestellt. Ein Beweis wäre, wenn originale Liedzettel / Inhaltsverzeichnisse
    vorhanden sind. Üblicherweise hatten alle Spieldosen diese Liedzettel.
     
    Der Grund für die merkwürdigen Tonfolgen liegt aber oft darin, dass die Walzenstifte nicht 100%ig mit den richtigen Tonzungen des jeweiligen Musikstücks im Eingriff stehen. Sie sind also leicht horizontal verschoben. Daher die "Katzenmusik". Unter Umständen auch die Folge eines "Runs", verbogener Zylinderstifte, zu großer Reibung beim seitlichen Verschieben des Zylinders zwischen den einzelnen Musiktiteln usw.
     
    Tritt nur bei einer Melodie ein RUN auf und sind nur Stifte dieser Melodie stark beschädigt, so ist es das beste, diese ganze Melodie "abzustellen". Es lohnt nicht, die abgebrochenen Stifte zu ersetzen. Siehe hierzu die entsprechende Beschreibung. Hat ein RUN hingegen bei allen Melodien die Stifte abgebrochen oder verbogen, so lohnt sich eine Reparatur nicht mehr (!)
     
    Für einen Reparaturkosten-Voranschlag ist es sehr wichtig, die Stifte auf der Walze zu prüfen. Diese Reparatur erfordert erheblichen Zeitaufwand. Alle Stifte sollen ein bißchen nach "vorwärts" gebogen, aber nicht zur Seite oder nach rückwärts gebogen sein.
     
    Sehr wichtig ist es, vor dem Aufziehen und Anstellen der Musikdose zu prüfen, ob nichts gebrochen ist und ob alle Schrauben fest angezogen sind. Erst nach einer solchen Prüfung sollte die Musikdose in der "Hand des Retsaurators laufen".
    Wenn beim Lauf die Musikdose einen stumpfen, müden Klang erzeugt, leise Töne erklingen, wo keine Stifte sind und wenn sie dumpf klingt, so hat das Harz auf im inneren der Walze keine Haftung mehr.
     
    Das ist ein Zeichen dafür, daß das Instrument einer hohen Temperatur ausgesetzt war. Es kommt vor, daß das Harz so weit geschmolzen ist, daß die Walze sich nicht mehr auf der Welle verschieben läßt. Oft ist das Harz nur an einer Seite der Walze geschmolzen. Hier hilft nur ein Wiederausgießen mit Harz, so wie es später beschrieben wird.
     
    Einsetzen von Walzenstiften
    Sind nur einige wenige Stifte abgebrochen, können sie wie folgt ersetzt werden: 
    Die abgebrochenen Stifte werden zuerst entfernt. Sie werden mit einem sehr dünnen Durchschlag (0,3 mm Durchmesser) durch den Mantel in das Walzeninnere getrieben. Das Loch darf nicht vergrößert werden! Der neue Stift, am Fuß etwas konisch, soll ein wenig größer im Durchmesser sein (ca. 0,35).
     
    Stift - Walze
     
    Anmerkung: Sofern nichts anderes vorhanden ist, kann man als Material für die Stifte u.U. auch die Stahlsaiten einer E-Gitarre verwenden. Vorzugsweise die G, H und hohe E Saite - je nach Durchmesser des Stiftes (!)
    Mit einem speziellen Setzeisen wird der neue Stift eingetrieben.
     
    Setzeisen
     
    Dieses Setzeisen hat einen Absatz, der der herausstehenden Länge des Stiftes entspricht. Damit erreicht man, daß alle Stifte die gleiche Länge haben, wenn das Setzeisen mit der Stirnseite auf der Walze aufsetzt. Bevor der Stift ganz eingetrieben wird, ist das Ende glatt zu feilen oder zu schleifen, damit der Stift die Tonzunge richtig fassen kann.
     
    Demontage des gesamten Musikwerkes
    Ausbau aus dem Holzgehäuse: Nachdem die 4 Schrauben gekennzeichnet sind, um sie später wieder an der gleichen Stelle einsetzen zu können, werden sie abgeschraubt. Das ganze Werk wird herausgenommen und sehr vorsichtig beiseite gelegt.
     
    Werkgestell mit Walze, Federgehäuse, Fliehkraftregler. Ratschenaufzug
     
    Demontiertes Walzenspielwerk in einer ganz normalen Standardausführung
     
    Für alle Arbeiten an einer Musikdose gilt der Grundsatz:
     
    Abstellen nur am Ende einer Melodie, damit keine Stifte Berührung mit dem Tonkamm haben.
     
    Um den Kamm abzuschrauben, gebrauche man einen sehr guten Schraubendreher. Hier abrutschen, kann große Schäden verursachen.
    Form eines Schraubendrehers
     
    Die Abbildung zeigt eine von Form, die ein Ausrutschen und eine Beschädigung des Kammes verhindert. Dieser Schraubendreher wurde aus einer alten Feile gefertigt. Extrem festsitzende Schrauben können auch durch eine kurzzeitige, nur auf die jeweilige Schraube und das direkte Umfeld einwirkende Hitzebehandlung gelockert werden. Es darf keine große Wärmeentwicklung an den Federn selbst entstehen (!)
     
     
    Ersatz von Zunge und Zungenspitze
     
    Prinzipdarstellung einer Tonfeder mit Bleigewicht und Dämpferfeder
    Eine oder mehrere abgebrochene Zungen können bei sachgemäßer Ausführung wie neu ersetzt werden.
    Sind mehrere nebeneinander liegende Zungen gebrochen, wird das Stimmen der Zungen schwierig (!)
     
    Normalerweise ist die Tonfolge unter dem Kamm nicht markiert. Man weiß daher nicht, wie die einzelnen Töne angeordnet sind, zumal die Zungen einer Musikdose nicht in einer normalen Tonfolge wie bei einem Piano gestimmt sind.
    In einem solchen Fall muß man raten, und der Erfolg hängt dann von Fingerspitzengefühl und Erfahrung ab (!) Leichter für denjenigen, der eine fachlich fundierte musikalische Grundausbildung hat.
     
    Ersetzen einer Zungenspitze
     
    Fehlende Zungenspitzen
    Wenn nur die Zungenspitze abgebrochen ist, dann braucht nicht die ganze Zunge ersetzt zu werden, sondern nur die Spitze. Siehe Abb.
     
    Man unterstützt die Zunge z.B. mit einem Stück Draht.
     
    Dann wird das Zungenende weich geglüht, so daß man mit einer kleinen Schlossfeile eine kleine Nut einfeilen kann.
     
     
    In diese, Nut wird ein kleines Stück Anlass-Stahl eingepaßt und weich eingelötet. Die Zungenspitze muß dann so nachgearbeitet werden, wie es später beschrieben wird. Hat die Zunge ein Resonanzgewicht aus Blei, muß man natürlich besonders vorsichtig sein, um nicht das Blei abzuschmelzen (!!!)
     
     
    Ersetzen einer ganzen Zunge (Tonfeder) durch Hartlöten
    Beim Ersetzen einer neuen Zunge wird aus einem passenden Stück Stahl - ähnlich der einer Nachbarzunge - diese neu angefertigt. Am besten ist es, wenn man Reste alter originaler Tonkämme und Zungen aus ausgeschlachteten Spieldosen zur Verfügung hat. Die damalige Stahl-Legierung entspricht dann weitestgehend dem Original welches ersetzt werden soll (!)
     
    Die Spitze bleibt etwas länger und breiter. Hinten wird ein Absatz ausgefeilt wie aus der nebenstehenden Abbildung zu ersehen ist.
     
    Tonkamm
     
    Dieses Zungenstück wird dunkelblau angelassen, es kann dann besser vibrieren und es kann außerdem noch befeilt werden. Die Anlaßfarben sind Zeichen der erreichten Materialtemperatur. Z.B. dunkelblau = 290 Grad Celsius.
     
    Der Absatz wird metallisch blank geschabt um einen guten Lotfluß und eine gute Haftung zu erreichen.
    In den Kammfluß wird eine dem Zungenstück entsprechende Nut eingefeilt. Die Zunge wird stramm eingepaßt.
     
    Anmerkung: Mit Hartlöten kann man keine Passungenauigkeiten ausgleichen.
    Je enger die Passung, desto besser die Löthaftung!
    Der Kamm wird anschließend mit Wasser und danach mit Alkohol abgewaschen, um alle Säurereste vom Lötwaser zu entfernen. Alles überstehende Hart-Lot wird abgeschabt. Bei sorgfältiger Arbeit klingt die neue Zunge so gut wie die anderen und die Reparaturstelle ist kaum zu sehen. Sowohl beim Schaben als auch beim späteren Abstimmen muß man mit sehr großer Sorgfalt vorgehen.
     
    Die Nachbarzunge ist aus Versehen leicht mit angefeilt worden?
    Feilen oder auch nur Abschmirgeln mit Schmirgelpapier beeinflussen die Tonhöhlen und führen zu Verstimmungen.
     
    Nun muß die Zunge nachbearbeitet werden. Sie muß geglättet und durch Feilen an der Unterseite gestimmt werden.
     
    In der Endbearbeitung wird die Zungenspitze so breit wie die der anderen Zungen gefeilt. Dabei ist darauf zu achten, daß die Zungenspitze genau in der Mitte zwischen zwei benachbarten Zungenspitzen liegt.
    Um die genaue Länge ermitteln zu können, hält man am besten den Kamm senkrecht gegen eine Glasplatte.
    So kann man gut erkennen, ob die Spitze noch gekürzt werden muß. Aber vorsichtig sein, daß die Spitze nicht zu kurz wird! Nun muß die Spitze noch auf die genaue Höhe gebracht werden.
     
    Auf folgende Weise kann man die Spitze herunter- oder nach rechts und links drücken, sodaß die Zungenspitze genau in der Mitte zwischen zwei benachbarten Zungenspitzen liegt.
     
    Um die genaue Länge ermitteln zu können, hält man am besten den Kamm senkrecht gegen eine Glasplatte. So kann man gut erkennen, ob die Spitze nicht zu kurz wird! Nun muß die Spitze noch auf die genaue Höhe gebracht werden. Auf folgende Weise kann man die Spitze herunter oder nach rechts und links drücken:
    Um die Zungenspitze seitlich zu richten, wird die Zunge mit der Oberseite flach auf einen angewärmten kleinen Amboß gelegt. Mit einem kleinen Uhrmacherhammer schlägt man zwei-drei mal auf die nun obenliegende Unterseite, und zwar rechts, wenn die Spitze nach links, oder links, wenn die Spitze nach rechts gedrückt werden soll.
     
    Um eine Spitze anzuheben oder zu senken, wird die Zunge flach auf den angewärmten Amboß gelegt. Nach ein paar Schlägen mit dem Uhrmacherhammer biegt sich die Spitze hoch. Man muß diese Arbeit sehr vorsichtig ausführen. Die Zunge kann leicht abbrechen!
     
    Nach der Reparatur und dem Richten des Kammes wird er wieder auf die Unterlage montiert. Mit dem Zylinder, auf dem Linien und Körnungen markiert sind, kann nun die richtige Position der Zungenspitzen kontrolliert werden. Zur letzten Kontrolle lasse man ein paar Melodien spielen. Die Stifte sollen die Mitte der Zungenspitzen treffen. Wenn das nicht der Fall ist, muß man das Nachrichten, wie oben beschrieben, wiederholen.
     
     
    Sehr wichtig ! Das Stimmen der neuen Zungen
    Nach dem Ausrichten müssen die neuen Zungen natürlich auf den korrekten Ton gestimmt werden. Leider sind die Tonfedern nicht in der Art einer chromatischen Tonleiter gestimmt (!) wie z.B. bei einem Klavier. Jede Zunge hat also ihren eigenen speziellen Ton. Diesen zu ermitteln erfordert Geschick und viel Erfahrung. Besser, man hat daher musikalische Grundkenntnisse.
     
    Dazu spannt man ein Stück Messingblech, das etwas dicker als eine Zunge breit ist, in den Schraubstock. Mit einer Reißnadel markiert man an der Kante die Länge der Zunge.
    Dann wird die Zunge mit der Unterseite nach oben auf das Messingblech gelegt und soweit heruntergedrückt, daß sich die Zunge genügend hoch von den Nachbarzungen erhebt, um sie gut befeilen zu können.
    Am besten benutzt man eine kleine Feile, quadratisch, ca. 1/4 Zoll breit, 6 Zoll lang. Um den Ton anzuheben, feilt man vorne an der Zunge, um einen etwas tieferen Ton zu bekommen, wird am Fußende gefeilt.
     
    Bei den Zungen mit Bleigewichten wird etwas Blei entfernt oder hinzugefügt.
     
    Ist ein Dämpfer vorgesehen, muß vor dem Stimmen die Dämpfungsfeder eingesetzt werden, damit nicht nach dem Stimmen durch das Einsetzen die Masse und damit die Tonhöhe sich ändert.
     
    Sind die Spitzen äußerlich noch in Ordnung, sollte man prüfen, ob sie nicht verschlissen sind.
    Wenn es so ist, dann nehme man einen möglichst langen Ölstein mit absolut gerader Oberfläche und streiche 2 bis 3 mal über alle Spitzen.
    Wenn die Spitzen nicht alle berührt waren, wird der Vorgang wiederholt.
    Unterseite Tonkamm mit Bleigewichten und Dämpferfedern aus Stahl
    Statt eines Ölsteines nimmt man noch besser eine Glasplatte mit pulverisiertem Ölstein.
    Bei einer älteren Musikdose, die eventuell noch einen RUN gehabt hat, sind alle Spitzen abgerundet. Es kommt leicht zu einem seitlichen Abrutschen der Spitzen, und das gibt einen schlechteren Ton. Die Spitzen müssen auf der Unterseite flach geschliffen werden, um wieder einen guten und klaren Ton zu geben.
     
     
 Die Blei-Korrosion der Tonfedern !
 
Bei unsachgemäßer Lagerung der Walzen- oder Platten-Spieldosen in Kellern und auf Dachböden kann unter ungünstigen feuchten Bedingungen die gefürchtete Blei-Korrosion   oder auch Bleifraß genannt auftreten.
 
Unter den Tonzungen der tiefer gestimmten Töne befinden sich genau abgestimmte Bleigewichte. Sie sollen die jeweilige Tonzunge zu einer langsameren Schwingung  =  tieferer Ton = veranlassen. Ohne diese Bleigewichte könnten die tieferen Töne nicht erzeugt werden, da die länge der Zunge ja mechanisch begrenzt ist. Bleigewicht und Tonzunge bilden also eine Einheit und sind in Ihrer Masse auf den jeweiligen Ton gestimmt.
Durch den Korrosionsprozess verändert sich die Bleioberfläche. Es bilden sich hellgraue Krusten, Lochfraß und Kavernenbildung. Das Schwingen der Tonzunge wird u.U. mechanisch stark behindert (!)
 
Fräst man aber das überstehende Blei mit einem Scheibenfräser ab, verringert sich die Masse, und damit der Ton. Der Tonkamm wird verstimmt und damit eventuell unbrauchbar.
Restaurateure müssen also hier vorsichtig arbeiten und verlorengegangene Blei-Masse ersetzen. Vorausgesetzt man weiß VORHER welchen Ton die die Zunge überhaupt erzeugen sollte (!)
 
Folgend 3 eindrucksvolle Fotos von Bleifraß. Unterseite des Tonkamms einer Platten-Spieldose.
 
  Klick auf die 3 Fotos zum  Vergrößern
bleikorrosion_01.jpg
bleikorrosion_02.jpg
bleikorrosion_03.jpg
Restaurierte Tonfedern
Der gleiche Kamm restauriert
Bleigewichte erneuert
 
 
Ersetzen von Dämpfer-Federn aus Federstahl
 
Prinzipdarstellung Walze und Tonfeder
Viele Walzenspieldosen haben kleine Metallfedern (streifenförmiger Federstahl)
als Dämpfer.
 
Diese sind mittels eines konischen Stiftes an der Zunge befestigt. Ein Ersetzen ist grundsätzlich möglich, wenn das entsprechende Material zu Verfügung steht.
Die Metallfedern aus Federstahl müssen entsprechend gebogen werden. Das Ersetzen erfordert einige Übung und Geschick (!)
 
Das in der Stärke und Elastizität passende Federstahl Material sollte die gleichen Maße und Eigenschaften wie die noch vorhandenen Federn haben.
 
Für einen Uhrmacher ist ein schwieriger Teil einer Musikdosenreparatur das Ersetzen der (Stahl) Dämpferfederchen. Es ist daher zweckmäßig, sich mit diesem Problem im einzelnen zu beschäftigen. Die Dämpfer Federn sind immer als erste zerstört, und sie sind doch so wichtig für einen guten Klang.
 
Der Restaurator muß die Funktion genau kennen und wissen, wie man am besten die Federn formt. Das Instrument erzeugt leicht unangenehme und pfeifende Geräusche, die den Musikeffekt verschlechtern.
Stoßen mehrere Stift der Walze kurz hintereinander eine Zunge an, kommt es zum plötzlichen Stoppen der Vibration durch den neuen Stift. Mit der Dämpferfeder wird die Vibration der Zunge vor dem neuen Anstoß durch den nächsten Stift graduell gestoppt.
 
Es ist leicht zu verstehen, daß die Zungen der tiefen Töne mit Bleigewichten stärkere Haarfedern erfordern als die Zungen für die hohen Töne. Die richtige Stärke kann man leicht durch Nachmessen der Nachbarfedern ermitteln.
 
 
Ersetzen von Stahl - Dämpferfedern
Es sollte jede Feder geprüft werden; alle abgenutzten (schlaff) oder zu scharf gebogenen sind zu ersetzen. Dazu wird der Kamm mit der Oberseite nach unten auf ein Brett gelegt. Das Brett soll die Länge und Breite des Kammes haben. Der Klemmstift, der die Haarfeder hält, wird mit einer kleinen Flachzange herausgezogen.
Unter Umständen müssen die Klemmstifte mit einem sehr feinen Durchschlag herausgetrieben werden. Um eine Verwechslung beim Wiedereinsetzen zu vermeiden, legt man die Stifte in der gleichen Reihenfolge auf die Werkbank, wie man sie herausgezogen hat.
 
Der Draht der Haarfeder wird in das Loch eingeführt und mit dem dazugehörigen Klemmstift festgesetzt. Der Draht steht um etwa 1/8 Zoll (ca. 3,2 mm) über die Spitze und wird abgeschnitten. Um exakt die Länge zu ermitteln, wird eine Originalfeder gerade gebogen.
Um genau diese Länge auf die anderen Haarfedern übertragen zu können, fertigt man sich ein Meßgerät an.
Dazu nimmt man sich ein Messingblech und biegt eine Kante im rechten Winkel ab (siehe Abbildung). Diese Kante wird in der Dicke schräg abgearbeitet, so daß man mit dieser unterschiedlichen Blechdicke die überstehenden Federlängen ermitteln und andere auf die ermittelte Länge abschneiden kann.
 
Das Meßgerät wird mit der einen Schenkelseite an die Spitzen des mit der Oberseite nach unten liegenden Kammes angelegt.´
Die Haarfedern zeigen zur abgeschrägten Kante hin.
Nun wird das Meßgerät nach beiden Seiten so lange hin- und hergeschoben, bis die zu messende Originalfeder
mit der abgewinkelten Kante übereinstimmt.
 
Diese Stelle wird am Meßgerät markiert. Die anderen Haarfedern werden auf die gleiche Länge abgeschnitten. Die Kante des Meßgerätes wird als Schneidkante benutzt. Es ist sehr wichtig, daß alle Dämpferfedern die gleiche Länge haben.
 
 
Das Formen der Stahl - Dämpferfedern
Um der Feder die richtige Form zu geben, benutzt man am besten eine Winkelpinzette. Der Kamm wird mit der Oberseite nach unten in der einen Hand gehalten. Mit der Winkelpinzette in der anderen Hand wird die Haarfeder erfaßt und leicht durchrutschend eine Kurve beschrieben. Das wiederholt man zwei bis drei mal, bis die Feder die gleiche Form hat wie eine nicht zerstörte Feder.
 
Die Feder muß ganz nahe an die Spitze herankommen, darf sie jedoch nicht berühren. Der Bogen soll gleichmäßig und ohne Knick sein. So kann die Feder vor dem Stift zurückweichen und sich nach oben gegen die Zungenspitze legen und damit die Schwingungen dämpfen. Jeder der eine Musikdose reparieren will, sollte diese Operation ausreichend üben.
 
Verschiedene Tonzungen, vor allem bei kleineren Musikdosen, werden mit den Strähnen von Hühnerfedern als Dämpfer ausgerüstet. Diese Reparatur ist im folgenden Kapitel beschrieben.
 
 
Wenn kleine Musikdosen quietschen
 
Hühnerfedern
Der häufigste Fehler bei kleinen Musikdosen ist das Quietschen und Piepsen des Kammes, das auch bei den großen Instrumenten vorkommt, wenn die Dämpfer unter den Zungenspitzen verschlissen oder abgebrochen sind.
 
Statt der oben beschriebenen Stahlfedern werden bei den kleinen Musikdosen Strähnen von gewöhnlichen Hühnerfedern als Dämpfer genommen.
 
Sie halten allerdings nicht sehr lange und müssen öfter ersetzt werden.
 
Unterseite eines Tonkamms mit Federn als Dämpfer
Unterseite Tonkamm einer kleinen Walzenspieldose teilw. m. Dämpfern aus Hühnerfedern
Oberseite des Kamms
Tonkamm einer kleinen Walzenspieldose
 
Man legt den Kamm mit der Oberseite nach unten auf ein Holzblock und schabt mit einem Messer oder einem kleinen Schraubenzieher die Reste des alten Dämpfers u.alten Schellack ab. Als Dämpfer nimmt man Teile von einer gewöhnlichen Hühnerfeder.
Sie werden mit einer scharfen Schere aus der Feder herausgeschnitten. Da die Feder Strähnen unterschiedlicher Breite besitzt, müssen sie sortiert werden. Es sollten nur übereinstimmende Strähnen genommen werden.
 
 
Die Strähnen werden mit einem Spezialleim unter die Zunge geklebt. Diesen Leim kann man sich selbst anrühren. Er besteht aus einer Lösung von Schellack in Alkohol. Um ein Brechen bei Kälte zu vermeiden, wird dieser Lösung etwas Siegelwachs beigemischt.
Man hält den abgeschnittenen Teil der Hühnerfeder zwischen Daumen und Zeigefinger und mit der Pinzette in der anderen Hand nimmt man die Strähnen nacheinander heraus und taucht das dickere Ende in den Schellackleim. Dann legt man das andere Ende auf die Zungenspitze, das mit Leim versehene Ende kommt unter die Zunge zu liegen.
Nachdem alle Dämpfer so platziert sind, kann man noch einmal die Lage der Dämpfer kontrollieren. Es muß die Spitze jeder Zunge vom Dämpfer verdeckt sein! Nach etwa 12 Stunden Trockenzeit werden die Dämpfer mit einer Schere auf gleiche Länge abgeschnitten. Der Kamm wird wieder eingesetzt wie bei einer großen Musikdose.
 
 
Reparatur des Drehzahlreglers (Fliehkraftregler / Windflügel)
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kontrolle und Überholung des Drehzahlreglers mit den Windflügeln, dem Bock, der Deckplatte mit Lagerstein (Rubin), der Übersetzung mit den Zahnrädern und dem Schraubenrad, des Bremshebels und der Abstellung sowie des Zahnrads an der Spielwalze mit der Abstellkurve.
 
Alle Teile eines demontierten Fliehkraftreglers
 Alle Teile eines demontierten Fliehkraftreglers
 
Noch einmal:
Vor jeder Reparatur, vor dieser besonders, muß der Antrieb, die Hauptfeder, vollständig entspannt sein!
 
Man überzeuge sich, daß die Feder entspannt ist und der Kamm "am Platze" ist, das heißt: Kein Stift berührt eine Kammspitze!
 
Erst danach erfolgt die Demontage des Windflügels.
Bei Nichtbeachtung erfolgt durch den gefürchteten RUN (plötzliche Freisetzung der gesamten gespeicherten Antriebsenergie) vermutlich die unwiderbringliche Zerstörung der Spieldose.
Windflügelregler komplett
 
Sie beginnt mit der Prüfung des Lagersteines in der Deckplatte. Oft ist der Stein durch die Spitze der Windflügel ausgelaufen. Dann sollte der Stein ersetzt werden. Falls kein neuer Stein zur Verfügung steht, genügt es, die Deckplatte etwas zu verschieben, so daß ein anderer Punkt zum "Arbeiten" kommt.
Vorher muß auf alle Fälle die Spitze der Windflügel poliert werden. Die Spitze muß ein wenig abgerundet sein, da sonst der Lagerstein bald wieder ausläuft. Das kann zu einer Störung, zumindest zu einem unruhigen Lauf führen. Auch zu große Zapfenlöcher der Flügelwelle sind schuld am unruhigen Lauf oder am Rattern.
 
Erklärende Darstellung der wichtigsten Teile
 
Die Löcher müssen ausgebuchst werden. Der Bremshebel soll nicht zu locker sein, darf aber auch nicht zu fest gehen, sonst stoppt der Windflügel zu plötzlich. Beschädigte oder verschlissene Zahnräder des Übersetzungsgetriebes sollten ausgewechselt werden. Eine Reparatur kostet nur unnötige Zeit.
Bei Einsetzen der Räder ist sorgfältig darauf zu achten, daß die Zahnräder gut befestigt werden. Die Räder können sich sonst lösen, was unweigerlich zur Zerstörung des Instrumentes führt. Zum Schluß sollten alle Teile so gut wie bei einer französischen Uhr gereinigt werden.
 
Nachdem alles zusammengesetzt ist, sind alle Lagerstellen mit gutem Uhrenöl zu ölen. Danach erfolgt eine Überprüfung, ob alles leichtgängig aber ohne Spiel läuft. Mit der unteren Schraube auf der Rückseite des Windflügelbockes kann die Eingriffstiefe des Schraubengewindes und damit die Leichtgängigkeit reguliert werden. Der komplett zusammengebaute Drehzahlregler wird später eingebaut.
 
Markante Stelle muss geölt werden.
Eine besondere Stelle ist auf dem linken Foto mit einem roten Pfeil gekennzeichnet.
Hier kommt das längliche Schraubenrad mit einem spez. gezahnten Zahnrad in Eingriff.
 
Wenn ein altes, aber sonst intaktes Walzen- oder auch Plattenspielwerk nicht mehr so recht laufen will und immer wieder stehen bleibt, liegt es oft daran, dass an dieser Stelle des Windflügelblocks ein wenig Öl fehlt. Kleine Ursache - große Wirkung (!)
 
Mit der unteren Schraube auf der Rückseite des Windflügelbocks kann noch die Eingriffstiefe des Schraubengewindes, und damit die Leichtgängigkeit reguliert werden.
 
 
Federgehäuse
Als nächsten Schritt nehme man sich den Federantrieb vor. Hat das Rätschenrad mit der Sperrklinke nicht zu viel Luft? Beim Demontieren des Rätschenwerkes macht man sich am besten eine Markierung auf der Welle, um es später in gleicher Position wieder einbauen zu können.
 
Geöffnetes Federgehäuse
 
Ist die Hauptfeder mit altem, verharztem Öl verklebt, muß sie ausgebaut, gereinigt und mit Uhrenöl neu eingeölt werden. Das Ausbauen und wieder Einsetzen dieser doch sehr starken Zugfedern sollte man nur durchführen, wenn man die entsprechenden Vorkenntnisse dafür besitzt!
Schwere Verletzungen an den Händen und Deformation der Feder ist sonst vorprogrammiert.
 
 
Vor dem Zusammenbau nimmt man die Welle mit der Feder und dem Gehäuse auf die Drehbank, um sie zu polieren.
 
Auch alle anderen Teile werden gereinigt und überpoliert.
 
Dann erfolgt der Zusammenbau. Nur gutes Uhrenöl für die Feder und alle anderen Teile verwenden!
Federgehäuse
 
Die Schrauben am Rätschenwerk müssen sehr fest angeschraubt und eingeölt werden, sonst lösen sie sich und können Schaden verursachen. Um Reibung zu vermindern, läßt man einen Zwischenraum zwischen dem Aufziehhebel und der Unterlegscheibe. Die Malteserkreuzsperre wird später eingebaut.
 
Ratschenaufzug des Federgehäuses
 
 
Der Zylinder - Das Ausgießen des Zylinders
Der mit den Stiften besetzte Zylinder hat nur eine dünne Wandstärke (ca. 1 mm). Um den Stiften und auch um dem Zylinder selbst einen größeren Halt und mehr "Körper" zu geben, wird der Zylinder nach dem Bestiften mit Harz (Man kann auch Siegellack nehmen) soweit ausgegossen, daß die nach innen durchstehenden Stifte voll im Harz stehen, etwa 5 mm Harzwandstärke.
 
Das Harz muß vollständig mit der Zylinderwand verklebt sein. Sonst gibt es einen dumpfen, trüben und metallischen Ton.
Zum Ausgießen wird der ganze Zylinder auseinander genommen, die beiden Stirnseiten, die Welle und der Mitnehmerzapfen herausgenommen. Die Welle und der Zapfen werden mit gewöhnlichem Öl eingeölt, um später ein Ankleben des Harzes zu vermeiden.
 
Vor dem endgültigen Zusammensetzen des Zylinders wird die erforderliche Harzmenge (Siegellack), das Volumen kann man sich leicht ausrechnen, eingefüllt. Danach nimmt man den Zylinder auf eine Drehbank, stellt eine Schale mit brennendem Alkohol darunter. Der Zylinder wird langsam mit der Hand gedreht, während die Flamme hin und her bewegt wird, um das Harz gleichmäßig zu erwärmen.
 
Tritt das Harz aus den Stiftlöchern heraus, wird die Flamme weggenommen und der Zylinder mit möglichst hoher Drehzahl laufen lassen, um durch die Fliehkraft eine Verdichtung und gute Verbindung zwischen Harz und Zylinderwand zu erreichen. Nach allmählicher Abkühlung wird die Drehzahl zurückgenommen, und man läßt langsam weiter laufen, bis es soweit abgekühlt ist, daß man den Zylinder in die Hand nehmen kann (für einen großen Zylinder etwa 1/2 Stunde).
 
Die Welle muß noch einmal herausgenommen werden, und das anhaftende Harz muß entfernt werden. Das am Zylinder herausgequollene Harz wird abgewischt, so lange es noch weich ist. Dann läßt man den Zylinder ganz abkühlen was bis zu einem halben Tag dauern kann.
 
Wie alle Arbeiten an einer Musikdose muß auch hier sorgfältig gearbeitet werden. Bei Überhitzung läuft das Harz aus der Stirnseite heraus, kühlt es zu schnell ab, wird das Harz keine gute Haftung an der Zylinderwand bekommen. Nach dem Abkühlen wird der Zylinder poliert. Dazu nimmt man ihn wieder auf die Drehbank, übersprüht ihn mit einer Schmirgelmischung aus pulverisiertem Ziegelstein oder Schiefer und Alkohol. Mit einer breiten und harten Bürste drückt man gegen den schnell rotierenden Zylinder, bis der Alkohol verdampft ist.
 
Der Zylinder glänzt wie neu. Er wird in ein Stück dickes Packpapier eingewickelt, um beim Anfassen gegen die Handwärme geschützt zu sein. Selbstverständlich muß man beim Hantieren mit dem Zylinder sehr vorsichtig sein, um nicht Stifte abzubrechen oder zu verbiegen.
 
 
Ausschalten einer Melodie
Ist bei einem RUN eine Melodie zum großen Teil zerstört, lohnt sich eine neue Teilbestiftung nicht. Am einfachsten ist es, diese Melodie zu unterdrücken. Während diese Melodie spielt, markiert man die Stelle auf dem Schaltstern, wo der Zylinderstift liegt. Diese Stelle des Schaltsterns wird bis auf die Höhe der vorhergehenden Melodie abgefeilt, die dann wiederholt wird.
Ist die erste Melodie zu unterdrücken, wird ein Stück Messing aufgelötet, um auf die Höhe der nächsten Melodie zu kommen, die dann zweimal spielt. Der Zylinderstift muß gut abgerundet und poliert sein, um leicht über die Schrägflächen des Schaltsternes gleiten zu können.
 
 
Zusammensetzen des Werkes
Sind alle Teile poliert und gereinigt, kann mit dem Zusammenbau begonnen werden. Man achte darauf, daß die Zylinderwelle wirklich sauber ist und das Harz von der Oberfläche sorgfältig entfernt wurde. Der Schaltstern wird angeschraubt und eingeölt. Der polierte Teil der Welle wird mit einem Öllappen leicht eingeölt.
Besonders ist darauf zu achten, daß kein Öl an das Harz kommt, das sonst aufquillt. Alle Löcher am Zylinder sollen sauber und harzfrei sein. Die Druckfeder und das Antriebszahnrad des Zylinders sind in der alten Position wieder einzusetzen. Läßt sich der Zylinder auf der Welle leicht verschieben?
Nach dem Einsetzen des Zylinders werden die Lagerböcke festgeschraubt.
 
Fliehkraftregler bemst kontrolliert den Lauf der Walze
Man prüft, ob sich die Welle frei und ohne Spiel drehen kann.
 
Mit leichtem Hammerschlag kann man die Lage der Wellenlager korrigieren.
 
Das Federgehäuse mit dem Rätschenhebel und Rad sowie dem Arretierwerk wird als nächstes eingebaut und fest verschraubt.
 
Als genereller Grundsatz gilt:
Jeder einzelne Schritt ist auf seine Funktion zu überprüfen!
So auch hier! Der komplette Drehzahlregler wird montiert. Geprüft werden die Windflügel, indem man die Antriebsfeder ein wenig aufzieht. Drehen sie sich frei?
Die Abstellung wird an den Bock angebaut. Wieder erfolgt eine Funktionsprüfung:
Stoppt die Abstellung die Windflügel, wenn der Führungsstift in der Abstellkurve des Zylinderzahnrades in die Aussparung fällt?
 
Federhaus im Eingriff mit der Walze
 
Um das nächste Teil am Zylinder, das Malteserkreuz (mechanische Aufzugssperre), montieren zu können, wird die Antriebsfeder ganz aufgezogen und der Zylinder 1/4 Umdrehung ablaufen lassen. Beim Aufziehen wird die Federspannung durch das Malteserkreuz und nicht durch die Hauptfeder selbst begrenzt. Wenn das dazugehörige Nockenrad nicht paßt, kann man es umgedreht auf die Achse setzen.
 
Als letztes ist der Schaltstern einzusetzen. Nun läßt man den Zylinder voll laufen, prüft ob der Schaltstern korrekt umschaltet, ob der Stift auf der Fläche liegt und nicht eventuell auf der Schräge, denn dann fassen die Stifte nicht mehr voll die Zungenspitze und unter Umständen spielen zwei Melodien zugleich. Das gibt schreckliche Dissonanzen und ruiniert die Haarfedern.
 
 
Einsetzen des Tonkammes
Nach dem mechanischen Teil kann der vorher überholte Tonkamm montiert werden. Vorher wird er noch gereinigt. Man verteilt etwas Öl auf die Oberfläche und reibt mit dem Handballen in Zungenrichtung, um damit dem Kamm den letzten Schliff zu geben.
Wenn der Zylinder am Ende einer Melodie gestoppt ist, wird der Kamm eingesetzt. Er wird vorerst nur mit 2 bis 3 Schrauben festgesetzt, da man ihn doch mehrmals wieder herunternehmen muß. Man läßt das Instrument langsam laufen, indem man mit den Fingern den Windflügel bremst.
 
Und nun beginnt eine ganze Reihe von Prüfungen:
 
Sind die Stifte mittig unter den Zungenspitzen?
Wenn nicht, dann kann der Zylinder seitlich verschoben werden, indem man den Zylinderstift am Schaltstern etwas heraus? oder hereinzieht.
Kann das nicht auf diese Weise gemacht werden, muß der Kamm verschoben werden. Das ist aber nur möglich, wenn keine Paßstifte eingesetzt sind. Unter Umständen müssen sie entfernt werden. Der Kamm wird durch Schläge auf ein Stück Weicheisen, das in ein Schraubenloch gesetzt wird, verschoben.
 
 
Komplettdarstellung Walzenspielwerk um 1880
 
Sprechen alle Zungen bei einem Akkord auf der ganzen Kammlänge zu gleicher Zeit an?
Spricht ein Teil des Kammes zu spät an, so ist er zu nahe am Zylinder und muß zurückgeschlagen werden. Man soll überhaupt darauf achten, daß der ganze Kamm nicht zu nahe am Zylinder ist.
Die Haarfedern können leicht zerstört werden, und die Musikdose bekommt einen mißtönenden Klang. Ist aber andererseits der Zwischenraum zu groß, ist das Instrument nicht laut genug, die Haarfedern sprechen nicht an und das Instrument wird quietschen.
 
Nun sind die Haarfedern an der Reihe.
Sind sie so geformt, wie es vorher beschrieben wurde, gibt es keine Schwierigkeiten?
Sind aber einige doch nicht gut ausgefallen, zeigt es sich jetzt.
Zur Erinnerung: Die Haarfedern sollen so nahe wie möglich an der Zungenspitze liegen, ohne sie jedoch zu berühren. Sie dürfen auch nicht seitlich von der Spitze weggebogen sein. Sie werden sonst von den Stiften einer anderen Melodie angestoßen und geben unangenehme Geräusche.
Sie müssen gerade gerichtet werden. Sind einige Stifte abgebrochen, wird man es nicht merken, aber sind sie etwas verbogen und berühren die falsche Zungenspitze, wird es zum Mißklang kommen.
 
Demontierte kleinere Walzenspieldose um 1880
 
Liegen bei allen Melodien bis auf eine die Stifte mittig unter den Zungenspitzen,
so ist der Schaltstern beschädigt.
Durch Schläge seitlich gegen eine solche Fläche kann man etwas anstauchen, der Zylinderstift liegt etwas höher.
 
Hat die Musikdose zwei oder mehr Kämme, ist sehr genau zu prüfen, ob alle Töne eines Akkordes zu gleicher Zeit auf allen Kämmen erklingen. Das kann man feststellen, indem man die Windflügel mit den Fingern bremst und die Musikdose sehr langsam spielen läßt. Man kann so besser beobachten, was im einzelnen passiert. Aber immer nur einen Kamm (zur Zeit) prüfen!
Die Fehler werden so viel leichter entdeckt, egal ob sie von den Haarfedern oder von verbogenen Stiften herrühren.
 
Ist alles gut durchprobiert, werden alle Schrauben eingesetzt und fest angezogen.
Nach der Montage und Prüfung des ganzen Werkes wird es in den Kasten gesetzt und fest miteinander verschraubt. Nur so kann das Gehäuse als Klangkörper wirken.
 
Wieder eine Prüfung: Beim Start und beim Wechsel einer Melodie hört man lose Teile am Kasten, die festzusetzen sind. Das Klappern oder sonstige unangenehme Geräusche kommen von losen Teilen des Gehäuses, die in Resonanz mit den Tönen liegen. Entweder sind das Unterlegscheiben von Gehäuseschrauben oder es ist das Schloß oder es liegt etwas Loses auf dem Boden der Musikdose.
 
Das Kastenschloß sollte innen gut eingefettet werden, um Nebengeräusche zu vermeiden. Hat die Musikdose Glocken, sollten die Hämmer weder zu nahe noch zu weit stehen.
 
Und nun der letzte Schritt: Nimm ein Stück einer abgebrochenen Hauptfeder, etwa 25 cm lang, öle es auf der convexen Seite gut ein. Während die Musikdose spielt, halte es gegen die Zylinderstifte. Neben Verschleißminderung verhütet man auch kreischende Geräusche. Aber vorsichtig: Kein Öl auf die Zylinderoberfläche!
 
 
Zum besseren Verständnis seien zum Schluß die Hauptschritte noch einmal wiederholt:
1. Prüfung, ob eine Reparatur überhaupt sinnvoll ist. Hat das Instrument einen RUN gehabt?
2. Ist für den Zylinder eine neue Harzausgießung nötig? In unserem Klima kommt das des öfteren vor.
3. Reparatur des Kammes, falls Zungen abgebrochen sind.
4. Überprüfen und Ersetzen der Dämpfer Federn aus Stahl oder Hühnerfedern.
5. Überholung und Reinigung des Antriebes, vom Federgehäuse bis zum Drehzahlregler.
 
 
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