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Autor dieser Seiten:  Detlef Knick - Berlin 
 
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square30_yellow.gif Uhren Wörterbuch Deutsch-Englisch-Französisch
 
 
 
 
Große Prunkpendule von Joh. Hartmann
 
 Große Prunkpendule
um 1860
Johannes Hartmann
Hofuhrmacher in Berlin von 1856 - 1872
 
 
Pendule im Louis-Quatorze-Stil. Boulle-Gehäuse
mit Marketerie aus Schildpatt und Messing.
 
Dreiseitig verglaster Uhrenkasten mit unten bauchig
ausschwingenden Seiten über Kreiselfüßen.
 
Rundbogiges Gehäuse unter separatem hutförmigem
Aufsatz und bekrönender Figur aus dem reich der Fama.
 
Reicher Behangdekor nach Art von Jean-Louis Berain.
Vergoldeter Bronzebeschlag mit Masken
und aufgelegtem Akanthus.
 
Vergoldetes, reich ornamentiertes Zifferblatt mit röm. Ziffern
auf weißen Emailreserven, und außen arabischer Minuterie.
 
Werk und Zifferblatt signiert: Joh´s Hartmann Berlin
 
 
Wer war Johannes Hartmann?
 
Johannes Hartmann
Königlicher Hofuhrmacher in Berlin
Ladengeschäft 1856-1872 in Berlin-Mitte
Unter den Linden Nr. 49
Siehe Foto    camera02.gif
 
 
 
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Empfehlenswerte Literatur zu Reparatur der Pendulen    
Großuhren reinigen und einstellen. Die Hemmungen. Die Schlagfolge.   
 
 
Am 1. Okt. 1763 gründete George Adolphe NEVIR in Berlin Unter den Linden Nr. 49 ein Uhrengeschäft.
Er war Hofuhrmacher und Lieferant Friedrichs des Großen.
 
Nach 40- jähriger Aufbauarbeit übergab George Adolphe NEVIR das Geschäft 1803 seinem Mitarbeiter
B.F. SCHUNIGK.
 
Nevir selbst hatte mit einer daraufhin erworbenen Brauerei wenig Glück, da er durch Einquartierung während
der napoleonischen Kriege 1806/07 total ruiniert wurde. Er starb 1815 völlig verarmt.
 
Nachdem der zweite Eigentümer B.F. SCHUNIGK gestorben war, konnte der Sohn des Gründers
DOMINIQUE NEVIR - das Uhrengeschäft wieder übernehmen.
 
Dominique NEVIR verkaufte im Jahre 1856 die Firma an JOHANNES HARTMANN (!)
 
Nach 16 weiteren Jahren - 1872 - mußte JOHANNES HARTMANN sich wegen eines Augenleidens zur Ruhe setzen.
 
Der neue Besitzer hieß ab 1872 H.A. Markfeld.
 
Auf ihn folgte 1901 Willi Hennings, und im Jahr 1924 Heinrich Simon. Dessen Sohn - Arthur Simon - konnte 1938 das 175 jährige Bestehen der Firma feiern.
 
 
 
 
Chronologie des Uhrenhauses
Johannes Hartmann Berlin - Unter den Linden Nr. 49
Vor- und Nachbesitzer
 
01.10.1763   -  1802/03
 
George Adolphe Nevir
 
1803 - ?
 
B.F. SCHUNIGK
 
? - 1855/56
 
DOMINIQUE NEVIR
 
1856 - 1872
 
Johannes Hartmann
Bezeichnung der Uhren 1856 - 1872
Joh's Hartmann Berlin
 
1873 - 1901
 
H.A. Markfeld
Bezeichnung der Uhren ab 1873:
Joh's Hartmann vorm. D. Nevir
 
1901 - 1924
 
Willi Hennings
 
1924 - ?
 
Heinrich Simon
 
? - ?
 
Arthur Simon
 
Wichtig für Datierungen (!)
 
Nachdem JOHANNES HARTMANN seine Firma 1872 verkauft hatte,
firmierten die späteren Besitzer mit der Bezeichnung:
" Joh's Hartmann vorm. D. Nevir "
 
 
 
 
Gehäuse
 
Das Uhrengehäuse wurde Mitte des 19. Jahrh. im sog. Louis Quatorze Stil gefertigt. Dieser Hinweis bezieht sich auf den (franz.) Sonnenkönig Ludwig XIV (1643-1715). Besonders nach ihm wird diese Stilepoche als die franz. Variante des Barock und des beginnenden Rokoko bezeichnet.
 
Der Korpus ist in der Art der sog. Boulletechnik gefertigt.
Benannt nach Andre-Charles Boulle, einem franz. Kunsttischler (1642-1732), der viel für Ludwig XIV. tätig war.
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Beispiel einer Signatur von Jonannes Hartmann
Klick auf das Foto zum Vergrößern
 
Die aus Italien stammende Technik hat er vervollkommnet und besteht darin, dass Muster, z.B. aus Schildpatt und Messing, zusammengeleimt werden, danach werden die Platten wieder getrennt und die Hohlformen u. Füllungen wechselweise wieder ineinandergefügt.
 
Legt man die helle Messingform in dunkles Schildpatt, spricht man von einer Premiere-Partie Arbeit.So wie bei dieser Uhr hier. Umgekehrt nennt man es Contre-Partie.
Diese sehr arbeitsaufwendige und kostbare Technik war im 18. Jh. bei Möbeln sehr beliebt.
 
Der Behangdekor ist nach Art des franz. Architekten Jean-Louis Berain ausgeführt. Seine Arbeiten für Ludw. XIV. beeinflußten Ende des 1800 Jahrh. viele andere Künstler in der Ausschmückung wertvoller Möbel.
 
Das Gesamtgewicht der Uhr beträgt 16 Kg - Höhe 107 cm.
 
 
 
 
Uhrwerk
 
Das Uhrwerk ist ein typisches Produkt aus der Zeit Mitte des 19. Jahrhundert.
 
Die Ganggenauigkeit des Werks ist relativ hoch, da eine sog. BROCOT-Hemmung eingebaut wurde.
 
Die nach Louis Gabriel Brocot benannte Hemmung wurde von ihm 1826 vorgeführt.
1847 erhielt er ein Patent auf diese neuartige ruhende Ankerhemmung. Die Brocot-Hemmung hat zwei senkrecht zur Fläche des Ankers stehende halbrunde Stifte, welche bei diesem Werk aus Stahl gefertigt wurden.
 
Die Schlagwerkauslösung erfolgt durch ein Rechenschlagwerk.
Im Gegensatz zu den Schlossscheibenschlagwerken, lassen sich Rechenschlagwerke repetieren.
Also kann man auf  Wunsch seitlich an einer Schnur ziehen, worauf das Schlagwerk auslöst und die zuletzt geschlagene Stunde nocheinmal geschlagen wird.
 
Die Schlagzahl wird bei dieser Uhr durch eine direkt auf dem Stundenrad sitzende Stundenstaffel gesteuert. Der Schlagwerkhammer schlägt auf eine aufgerollte Tonfeder den sog. französischen Schlag, also halbe und volle Stunden.
 
Die Pendelscheibe zeigt eine Sonne, ein Phoebus-Symbol (Gott Apoll).
 
Die beiden großen Federhäuser halten das Uhrwerk Tage ca. 14 Tage in Gang.
 
Das Werk ist signiert mit:  J. HARTMANN HORLOGER DU ROI BERLIN
 
Werk Nr. 1298  -  BREVETE S.G.D.G.
(Das ist eine Bezeichnung für ein Patent- bzw. Gebrauchsmusterschutz ! )
 
 
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Drei Bücher zur Reparatur und Restaurierung von Groß-Uhren
Die Beschreibung in diesen Büchern richtet sich an den Laien.
Daher sind kaum Vorkenntnisse nötig !
 
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Hier gibt es Informationen zu folgenden Themen...
 
Alte Großuhren Reinigen, Ölen und Einstellen
Die wichtigsten Hemmungen der Großuhren
Die Schlagfolge bei Alten Uhren
 
 
 
 
YouTube Videos "Alte Uhren" reparieren
 
 
 
 
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 Französisches Pendulenuhrwerk
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Überholung / Reparatur
eines Stand- Uhrwerks
 
 
Uhren Reparatur in der
Uhrmacherei Boxberg
 
 
Schlagwerkkorektur
einer Großuhr mit
Schlossscheibenschlagwerk
 
 
Funktion eines
Rechenschlagwerks
 
 
 
Funktion eines
Schlossscheibenschlagwerks
 
Die Funktion einer
Ankerhemmung
 
 
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Deutsche Uhrmacher restaurieren wertvolle Uhren in St. Petersburg
 
 
 
 
Alte Großuhren Reinigen, Ölen und Einstellen
- Tipps für den interessierten Laien -
 
 
Ersatzteile, Materialien und Werkzeuge gibt es u.a. bei den Firmen SELVA und FLUME
Selva wurde 2017 an die Fa. Flume verkauft. Betreibt aber weiter seinen Online-Shop.
 
 
 
Hausstaub und verharztes altes Öl führen nach Jahrzehnten zu Lagerreibung und Schwergängigkeit.
 
Oft läuft eine Uhr nach einer Reinigung wieder zufriedenstellend. Sofern man es sich selbst zutraut, sollte also erwogen werden, das Uhrwerk komplett zu demontieren und zu reinigen.
 
Ansonsten sollte man einen Antik-Uhrmacher mit der Überholung des alten Uhrwerks beauftragen.
Für ein typisches Pariser Rundpendulenuhrwerk aus dem 19. Jh. muss man mit ca. 200-350 Euro Kosten rechnen, sofern keine weiteren mechanischen Arbeiten notwendig sind. (Stand 2018)
 
 
 
1. Zunächst über die Position der einzelnen Räder, Hebel und Funktionsteile eine Skizze anfertigen. Die Federhäuser - soweit vorhanden - für Geh- und Schlagwerk(e) kennzeichnen.
 
 
2. Vor Beginn der Demontage, in jedem Fall zuerst die Zugfedern entspannen, da sonst erhebliche Verletzungsgefahr besteht! Auch kann ein zurückschnellendes oder herausspringendes Federhaus Räder, Triebe und Wellen beschädigen.
 
 
3. Für das Entspannen der Zugfedern ist z.B. ein Handbohrgriff das ideale Hilfswerkzeug. Darin wird der Aufzugsvierkant fest ein gespannt. Ein passender Uhrenschlüssel geht natürlich auch. Eine leichte Drehung in Aufzugsrichtung gibt den Sperrkegel frei, er kann vom Eingriff in das Sperrrad abgehoben und festgehalten werden.
 
Vorsicht bei rechts drehenden Federhäusern - das Spannfutter im Handbohrgriff kann sich öffnen. Dem Bestreben der Zugfeder, sich zu entspannen, nun vorsichtig nachgeben.
 
Wenn der Druck am Handbohrgriff zu stark wird, den Sperrkegel wieder einrasten lassen, am Bohrgriff nachfassen und das ganze wiederholen, bis keine Spannung mehr auf der Feder ist. Den Handbohrgriff wieder lösen und entfernen.
 
 
4. Jetzt die Pfeilermuttern lösen und das Uhrwerk auseinandernehmen.
 
 
5. Alle Teile, ausgenommen Federhäuser mit eingebauter Feder, je nach Verschmutzungsgrad kürzer oder länger - in eine Reinigungslösung legen und mit Bürste oder Pinsel ausbürsten.
 
Für das Reinigungsbad gibt es käufliche Flüssigkeiten. Man kann aber auch selbst eine Lösung ansetzen.
 
Dazu nehme man eine flache Schale mit einer Lösung aus heißem Wasser, einem guten "Schuß" verdünntem Salmiakgeist und etwas flüssiger Seife oder Spülmittel.
Ca. 30-45 Minuten eingelegt lassen. Evt. mit einer weichen Bürste (Zahnbürste?) abputzen.
 
Nach diesem Reinigungsbad die Uhrwerkteile zum Abspülen und Neutralisieren in eine flache Schale mit Benzol oder Reinigungs-Benzin legen.
 
Dort noch einmal schwenken, und danach mit einem fusselfreien Tuch oder moderater Warmluft (Fön) gründlich trocknen. Eventuelle Lagerbohrungen (wenn Platinen und Brücken gereinigt wurden) mit einem dünnen runden Putzhölzchen (Zahnstocher?) innen reinigen
 
 
6. Federhäuser dürfen im geschlossenen Zustand und mit eingebauter Zugfeder nicht in die Reinigungsflüssigkeit gelegt werden. (!) Sofern man auch die Federhäuser innen sowie die Zugfedern reinigen möchte, sollte man folgendes bedenken.
 
Nach dem vorsichtigen Ausbau, die Federn auf ihre Spannkraft kontrollieren. Offen liegend sollte eine entspannte Feder mindestens den vierfachen Durchmesser des Federhauses haben.
 
Einige Zugfedern sind nach jahrelanger Funktion lahm und müssen erneuert werden. Das Einwinden von Hand ist etwas mühsam, aber machbar. Einfacher geht diese Arbeit mit einem käuflich zu erwerbenden Federwinder.
 
 
7. Die Reinigung der Uhrenteile in einer Ultraschallanlage ist natürlich einfacher, gründlicher und braucht weniger Zeit als manuelles Reinigen. Ultraschallwellen können jedoch den Zugfedern schaden, sie dürfen daher nicht in die Reinigungsanlage.
 
 
8. Vor dem Zusammenbau des Uhrwerks nochmals sämtliche Lagerstellen und Radzapfen auf Sauberkeit prüfen. Zugfedern nach dem Einwinden ölen, wobei das verwendete Öl für diesen speziellen Fall nicht absolut hochwertig sein muss.
 
 
9. Nach dem gelungenen Zusammenbau, alle Funktionen überprüfen. Zum Schluß alle Lagerstellen mit einem Uhrenöl für Großuhren (!) ölen. Siehe bei bei SELVA, Großuhren-Öl No. 3-5.
Die ineinandergreifenden Zahnräder werden NICHT geölt.
 
Eine Ausnahme bildet das Gangrad - auch Steigrad genannt - in das der Anker eingreift. Die Ankerklauen bzw. die Zahnspitzen des Steigrads mit etwas Öl versehen. Dies bewirkt gleichzeitig eine Dämpfung des »Tick« - Geräuschs.
 
 
 
 
 
 
Das Nachölen älterer, mechanischer Uhrwerke ist nur dann sinnvoll, wenn alle Lagerstellen einigermaßen sauber erscheinen.
 
Hierbei sei aber erwähnt, dass das Nachölen insofern problematisch sein  kann, weil sich das "neue" Uhrenöl mit dem noch vorhandenen "alten" Uhrenöl mischt. Da beide Öle chemisch unterschiedlich sein werden, kann es in den nächsten Jahren zu unerwünschten Reaktionen kommen welche dazu führen, dass das Uhrwerk früher oder später doch wieder stehen bleibt.
 
Wenn die allgemeine Verschmutzung eines Uhrwerks nicht allzu groß ist und die Zapfenlager noch einigermaßen in Ordnung sind, kann man mit einem Feinreiniger Spray aus eine Kurzreinigung OHNE Demontage vornehmen.
 
Damit alle Lagerbohrungen, Triebe und Räder gezielt mit dem Röhrchen einsprühen. Alte Öl- und Schmutzablagerungen - wenn nicht verharzt - sollten so herausgespült werden und können danach abfließen.
 
 
 
Verschiedene Hersteller bieten zur Rückstandslosen Entfettung
und Reinigung entsprechende Produkte in Spraydosen an.
 
 
 
 
1. CRC-Kontaktchemie
Kontakt Spray 601
Artikel Nr. 728 09
Dose mit 200 ml.
2. Liqui Moly
Reinigungsspray
Dose 500 ml
3. Elaskon
Spezialreiniger
Dose 600 ml
 
 
 
Dabei sollte mit dem Sprühmittel nicht gespart werden. Bei geschlossenen Federhäusern darauf achten, dass das Mittel nicht in die Federhäuser läuft, da sie seitlich eine kleine Öffnung haben.
 
Der Feinreiniger trocknet von allein. Eventuelle Schmutzreste auf den Platinen sollten jetzt vorsichtig mittels kleinen Putzlappen, Wattestäbchen usw. abgewischt werden. Dabei hilft auch Reinigungsbenzin (!)
 
Nach der "Schnellreinigung" mit Feinreiniger-Spray, das Uhrwerk mit Uhrenöl für Großuhren - z.B.  Uhrenöl No. 3-5 von SELVA ölen.
 
Nocheinmal...... Diese Art der "Uhrwerk - Reinigung" ist nur ein Notbehelf bei leichten Verschmutzungen. Ein professioneller Antik-Uhrmacher wird soetwas natürlich nicht machen....
 
 
 
 
 
 
Allgemeines über das richtige Ölen von Großuhrwerken.....
 
Öl vermischt mit Staub verhindert die einwandfreie Kraftübertragung.
Ist eine Uhr dazu noch extremer Wärme ausgesetzt gewesen, kann das Öl - je nach Qualität - sich früher verflüchtigen, dick werden oder auch verharzen.
 
Die Folge sind Reibungsverluste in den Lagerstellen und ein schwergängiges Räderwerk, das schließlich versagt.
Äußerst nachteilig wirkt sich auch der überall vorhandene Haus-Staub aus, weil er sich mit dem Öl vermischt. Er erzeugt eine schwarze Schmiere in den Lagern. Das führt früher oder später zu einer schädlichen Schleifwirkung in den Lagern.
 
Ausgelaufene Lager und raue Wellenzapfen sind die Folgeschäden. Eine einwandfreie Kraftübertragung ist dann nicht mehr gewährleistet.
 
Lieber weniger als zuviel ölen. Intakte, saubere Lager lassen sich nachölen. Aber auch hier können Probleme auftreten, z.B., wenn die Öle sich nicht miteinander vertragen. (Siehe auch Text weiter oben)
 
Beim Nachölen oder beim Ölen nach einer Reinigung des Uhrwerks gilt der Grundsatz: »Lieber etwas weniger, als zuviel«. Dabei werden grundsätzlich nur die Zapfen der Räder in der vorderen und hinteren Werkplatine geölt.
 
Geölt werden darf prinzipiell nur dort, wo Reibung entsteht, also zunächst in den Platinenlagern.
Das Öl muss punktgenau und präzise mit einem speziellen Ölgeber dosiert an die Schmierstelle gebracht werden.
Tip --> Man kann auch einen dünnen Messingdraht in das Öl tauchen und dann auf die zu ölende Stelle geben.
 
In der Regel haben die Platinenlager an der Außenseite Senkungen zur Aufnahme einer geringen Ölmenge. Ein Zuviel an Schmierstoff ist schädlicher als zu wenig, denn sobald ein Tropfen von der Ölstelle wegläuft, zieht er weiteres Öl nach. Ein »überöltes« Lager läuft also schneller trocken! Vergisst man dagegen eine Stelle zu ölen, ist erhöhter Verschleiß die Folge.
 
Die Zähne der Räder dürfen nicht geölt werden, denn Öl zieht dort verstärkt Staub an, so dass die Verzahnung irgendwann klemmen würde.
 
Eine Ausnahme bildet das Gangrad – auch Steigrad genannt – in das der Anker eingreift. Die Ankerklauen bzw. die Zahnspitzen des Steigrads mit etwas Öl versehen. Dies bewirkt gleichzeitig eine Dämpfung des »Tick«- Geräuschs.
 
Immer das "richtige" Öl verwenden. Für Großuhren also nur Großuhrenöl, kein Öl für Taschenuhren oder Nähmaschinen etc. verwenden. Im Internet zu beziehen u.a. bei SELVA
 
 
 
 
 
 
Abhilfe bei ungleichmäßigem Ticken.... man nennt es "Abfall" einstellen !
 
Mechanische Uhren mit Pendel sollen und müssen ein völlig gleichmäßiges Ticken von sich geben. Es gibt Menschen, welche ungleichmäßiges Ticken nicht einmal hören, andere wieder stört das ungleichmäßige Tick-Tack ungemein. D.h. dass die Zeitspanne zwischen dem Tick und dem Tack Geräusch exakt gleich sein muss.
 
Für die Uhr selbst ist ein ungleichmäßiges Ticken von Nachteil. Sie geht u.U. nicht genau, und der Anker nutzt sich ungleichmäßig ab, im Extremfall bleibt die Uhr einfach stehen.
 
Bevor hier mechanisch eingegriffen wird, könnte man in leichten Fällen damit Abhilfe schaffen, die gesamte Uhr durch einseitiges Unterlegen von z.B. Filzunterlagen - linke oder oder rechte Seite - leicht in eine "Schieflage" zu bringen. Wenn es sich nur um 1-2 mm handelt, sieht man das kaum. Das Ticken ist aber wieder gleichmäßig. Analog gilt das auch für Wanduhren indem man sie 1-2 mm "schief" hängt.
 
Bei den beliebten französischen Pendulen kann man oft auch (am Zifferblatt-Rand bzw. der Lünette anfassen) das gesamte Uhrwerk im Gehäuse leicht nach links oder rechts drehen.
Auch hier, oft handelt es sich nur um 1-2 mm, ist der Abfall danach ist wieder gleichmäßig.
 
 
Wenn das Ticken der Uhr also "hinkt" oder "galoppiert", gibt es noch folgende
Lösungen für dieses Problem:
 
Es gibt normalerweise zwei Konstruktionsarten wie die Pendelführung/Pendelgabel mit der Ankerwelle verbunden ist. Danach richtet sich die Problemlösung. Das sollte also vorher geklärt werden.
 
Bei Uhren, deren Ankerwelle mit der Pendelführung fest verbunden ist - sei es vernietet oder verlötet - muss die Pendelführung leicht nach links oder rechts gebogen werden.
 
Bitte beachten, dass die Pendelführung mit zwei Fingern festgehalten werden muss, da sonst die Gefahr besteht, dass die dünnen Ankerwellenzapfen brechen.
 
Sind Pendelführung und Ankerwelle aber nicht fest miteinander fest verbunden, sondern lassen sie sich gegenseitig (reibschlüssig) verdrehen, dann müssen Sie bei der Korrektur folgendes beachten:
 
     1. Das Uhrgehäuse so weit nach links oder rechts schräg hängen oder kippen, bis das
         Ticken vollkommen gleichmäßig ist.
 
     2. Die Pendelführung vorsichtig in Richtung der Schräglage führen, bis der Anker im
         Zahngrund des Steigrads aufsitzt und ein leichter Widerstand spürbar ist.
 
     3. Die Pendelführung geringfügig über den Widerstand hinaus drücken. Ist die
         Bewegungsfreiheit der Pendelführung eingeengt, muss man mit der freien Hand
         den Anker arretieren und die Uhr wieder senkrecht hängen.
 
     4. Das Tickgeräusch nun wieder abhören.
 
     5. Ist das Ticken noch immer nicht gleichmäßig, wiederholen Sie bitte den Justier-
         vorgang - falls erforderlich auch in die entgegengesetzte Richtung.
 
Präzisions-Pendeluhren besitzen oft eine speziell konstruierte Pendelführung.
Bei solchen Uhren befindet sich an der Führung eine Stellschraube oder eine Rändelscheibe zur Feineinstellung. Mit dieser Reguliervorrichtung können Sie leicht und bequem ein gleichmäßiges Ticken einstellen.
 
Was hier beschrieben wurde, bezeichnet der Uhrmacher in seiner Fachsprache als "Abfall einstellen". Kommt von der Bewegung des Steigrads, das Zahn um Zahn "abfällt".
 
 
     Ein kleines Uhren-Übersetzungswörterbuch
für Deutsch-Englisch-Französisch gibt es hier.  
 
 
 
 
- Die wichtigsten Hemmungen der Großuhren -
 
 
Ankerhemmung
Die Ankerhemmung in Funktion
 
Die Hemmung (früher auch Gang; franz. échappement; engl. escapement) ist jene Baugruppe in Räderuhren, die die Verbindung zwischen dem Räderwerk und dem Gangregler (etwa dem Pendel) herstellt.
Sie besteht in der Regel aus dem Hemmungsrad (Gangrad, Steigrad oder Ankerrad) und dem Hemmstück (Anker, Ruhestück).
Der Gangregler bewirkt über das in das Hemmungsrad eingreifende Hemmstück das periodische Anhalten ("Hemmen") des Räderwerks und damit den regelmäßigen Gang der Uhr.
 
 
 
Die Spindelhemmung - ist die älteste (rückfallende) Hemmung an Räderuhren (Groß- und später auch Taschenuhren) Abwechselnd greifen die Lappen der Spindel in das Hemmungsrad ein, das die Form eines Kronenrades mit sägeähnlichen Spitzen hat, und lassen es um jeweils einen Zahn weiterlaufen Waag.

Die
Ankerhemmung (Bezeichnung nach der optischen Form eines Ankers) - ist eine zusammenfassende Bezeichnung (!) für die rückführende Haken- als auch für die ruhende Graham- oder Brocothemmung.

Die
Hakenhemmung - auch Clement - Ankergang genannt. 1680 von William Clement eingeführte rückführende Ankerhemmung mit einem Hemmungrad, dessen Zähne senkrecht zum Trieb stehen. Der ankerförmige Teil der Hemmung gibt im Wechsel einen Zahn frei und hemmt dabei gleichzeitig den anderen.

Die
Grahamhemmung - 1710 von George Graham erfundene ruhende Ankerhemmung für Präzionsuhren.

Die
Béthune-Hemmung - von Chevalier de Béthune 1727 entwickelte rückfallende Hemmung für Pendeluhren, die eine Variante der Spindelhemmung ist. Sie besitzt senkrecht zum trieb des Hemmungrades stehende Zähne und eine geteilte Spindel,
deren Lappen an zwei verschiedenen Wellen befestigt ist, die durch zwei Hebel miteinander in Verbindung stehen.

Die
Scherenhemmung - auch Stiftenhemmung. Von Louis Amant 1741 entwickelte ruhende Hemmung mit einem Hemmungsrad, das senkrecht zum Radstreifen stehende Stifte trägt, welche durch die hin- und hergehende Schere hindurchgeführt werden.

Die
Brocot-Hemmung - von Louis Gabriel Brocot 1826 erstmals vorgeführte ruhende Ankerhemmung, für die er 1847 ein Patent erhielt. Die Brocot-Hemmung hat zwei senkrechte zur Fläche des Ankers stehende halbrunde Stifte aus Stahl oder häufiger aus Stein (Rubin), die als Paletten dienen. Bei französischen Pendulen ist die Brocothemmung sehr häufig in einer Aussparung des Zifferblattes sichtbar angebracht.

Die
Chronometerhemmung, von Pierre Le Roy 1748 entwickelte freie Hemmung, die häufig in Schiffschronometern verwendet wurde. Auch heute noch wird sie gelegentlich in abgewandelter und verbesserter Konstruktion gebraucht.
Man unterscheidet die Chronometerhemmung mit Feder (meist in Schiffschronometern und anderen Großuhren) und die Chrono-meterhemmung mit Wippe (meist in Taschenuhren).
 
Bei der Chronometerhemmung mit Feder hält der an der Feder befestigte Ruhestein das Hemmungsrad an, bis der an einem Teller an der Unruhwelle befindliche Auslösestein die Feder anhebt und damit den Ruhestein aus dem Hemmungsrad herauszieht, das sich weiterdreht und mit einem Zahn auf den an dem Teller befestigten zweiten Stein, den Antriebsstein, fällt und die Unruh antreibt. Diese erhält beim zurückschwingen jedoch keinen Antrieb. Er erfolgt nur bei jeder zweiten Schwingung. (freie Hemmung)
 
 
 
 
- Die Schlagfolgen bei Alten Uhren -
 
 
1.   Voller Stundenschlag. Nur Angabe der vollen Stunden.
Bei frühen Uhren und häufig bei Bodenstanduhren bis hinein ins 19. Jahrhundert gebräuchlich.
 
2.   Angabe der vollen und halben Stunden. Französischer Schlag genannt - wobei die halben Stunden nur mit einem Schlag angegeben werden.
Diese Form ist ab 2. Hälfte des 17. Jh. in Frankreich und auch bis heute sehr gebräuchlich. In einigen anderen Ländern aber erst ab dem 19. Jahrhundert.
In Teilen Deutschlands im 18. Jh. auch bekannt z. B. im bergischen Land, wo die halbe Stunde auf einer kleinen Glocke oder Tonfeder geschlagen wird - meistens als „passing strike“.
 
3.   Passing Strike in England auch "angerissener Schlag" oder Schlag "en passant" genannt. D.h. 1x Schlag immer zur vollen Stunde. Auslösung wird vom Gehwerk betätigt. Also kein Extra Schlagwerk.
 
4.   Comtoiser Schlag. Die Comtoise-Uhren schlagen die vollen und halben Stunden und wiederholen die volle Stunde ein paar Minuten danach. Ähnlich funktioniert der Ribotta-Schlag bei Italienischen Uhren. In Deutschland wurde früher bei Kirchturmuhren auch weit verbreitet die volle Stunde nachgeschlagen, aber unmittelbar.
 
5.   Holländischer- oder Wechsel- Schlag. Wird in England Dutch Striking genannt.
Angabe der vollen und halben Stunden jeweils mit voller Schlagzahl. Die halben Stunden werden zur Unterscheidung auf eine andere Glocke geschlagen.  Diese Bauweise war auch in England bekannt, aber um ½ wird die vergangene Stunde und nicht die kommende Stunde geschlagen.
 
6.   Dreiviertelschlag. (Auch ¾-Schlag oder Berner Schlag genannt). Alle Viertel werden angegeben und (nur) beim vierten Viertel wird die volle Stunde auf eine größere Glocke geschlagen. Im Gegensatz zur Petite Sonnerie, wo die 4 Viertelschläge NICHT geschlagen werden.
 
7.   Petite Sonnerie. Hier werden die Viertelstunden - ggfs. mit Doppelschlag auf 2 Glocken - angegeben. Zur vollen Stunde wird die Stundenzahl ohne Viertelstunden auf eine größere Glocke geschlagen.
 
8.   Grande Sonnerie. (Vor allem in Frankreich u. Schweiz gebräuchlich) Bei jeder Viertelstunde wird zuerst die volle Stunde auf eine größere Glocke und dann die Viertel (meist im Doppelschlag) angegeben - aber nicht zur vollen Stunde, hier wird die Stundenzahl ohne Viertelstunden geschlagen.
 
9.   Vierviertelschlag mit vollem Nachschlag. Auch 4/4-Schlag, Wiener Vierviertelschlag oder Wiener Vollstundenschlag genannt. Hier wird nach jedem Viertelschlag die volle vergangene Stunde nachgeschlagen.