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Autor dieser Seiten:  Detlef Knick - Berlin 
 
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square30_yellow.gif Uhren Wörterbuch Deutsch-Englisch-Französisch
 
 
Wiener Stutzuhr als Portaluhr - 1820-1850 
 
  
Wiener Portaluhr
Stutzuhr Biedermeier 1820-1850 
 Der Wiener Volksmund sprach auch von
Hausmeister- oder Hausherrenuhr
 
 
Typische Wiener Bauweise einer Stutzuhr als Portaluhr oder auch als Säulenuhr bezeichnet.
 
In Österreich auch als Kommodenuhr bekannt.
Gangdauer ca. 40 Stunden.
 
Ankerhemmung und Rechenschlagwerk. Viertelstunden-Repetierschlag
mit vollem Nachschlag (Wiener Schlag) auf 2 Tonfedern.
 
Alabastersäulen, schwarz gebeizter und mit Schellack
polierter Holzkorpus.
 
Höhe = 70 cm
Breite = 36 cm
 
 
 
Die Wiener Portaluhr
Säulenuhr / Stutzuhr / Stockuhr
Begriffsbestimmung/ Beschreibung/Technik/Historie
 
Der Begriff STOCKUHR oder auch STUTZUHR ist eine Bezeichnung für eine (im Verhältnis zu den Bodenstanduhren) kurze und scheinbar gestutzte Standuhr.
 
Im 16. u.17. Jahrhundert auch STÖTZER genannt. Sie wurden auf Tische, Kommoden, Kaminen usw. gestellt.
In Österreich hat sich heutzutage dafür auch der Begriff "Kommodenuhr" eingebürgert.
 
So werden diese Begriffe also als Synonym gebraucht. Der Begriff STOCKUHR bezeichnet meist eine Uhr aus dem süddeutschen Raum oder aus Österreich ab 1815.
 
Hier wird also eine Stockuhr in Form einer Portaluhr vorgestellt.
 
 
Die hier abgebildete PORTALUHR besteht aus einem schwarz gebeizten Holzsockel aus Weichholz, die Säulen sind aus Alabaster. Gesamthöhe 70 cm. Breite 36 cm.
 
Alabaster ist eine feinkörnige Abart des Gipses, weiß bis blassrot durchscheinend, dem Marmor ähnlich.
 
Die Kapitelle auf den Säulen sind aus Holz gefertigt.
m Sockel und im Oberteil befinden sich kolorierte Holzstiche mit Darstellungen von kleinen Städten.
 Im Oberteil - links und rechts – hinter Glas künstlich nachgebildete Pflanzen.
 
 
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Auch in England waren Stockuhren als sog. Bracket-Clocks sehr verbreitet.
Die früheste in Frankreich gebaute Stockuhr ist die Religieuse.
 
Stockuhren hatten oft eine einfache Bauform (Holzkästen), dagegen sind Stutzuhren eher in der Form elegant und aufwendiger gearbeitet.
 
Diese Stockuhrwerke wurden in kleinen Sonderbetrieben in Wien hergestellt und in großen Mengen nach dem Osten - Polen, Ungarn, Balkan - exportiert, dort lokal zusammengebaut und auch lokal - meist am Zifferblatt - signiert.
 
Automatenfiguren wie Schleifer und Schmiede, Glockenschläger und andere mehr sind beliebte Attribute.
Es gibt viele verschiedene Ausführungen dieser Uhrentype.
 
In viele dieser Stockuhren - besonders bei Portaluhren - wurde im unteren Sockel eine Walzen-Spieldose (Spieluhr) eingebaut. Die spielte ihre bezaubernde Melodie z.B. nach  jeder vollen Stunde ab.
 
 
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Das Wiener Stockuhrwerk war im süddeutschen Raum und Österreich zwischen 1820 - 1850 üblich, und hatte eine Gangdauer von ca. 40 Stunden. Fast immer ist - wie auch bei der hier gezeigten Uhr - ein sog. voller Viertelstunden-Repetierschlag auf 2 verschieden klingenden TONFEDERN vorgesehen.
 
  Das 4/4 Schlagwerk !
Wiener Vierviertel Schlagwerk mit vollem Stunden-Nachschlag !
 
 
Fast immer ist - wie auch bei der hier gezeigten Uhr - ist ein sog. voller Viertelstunden-Repetierschlag auf 2 verschieden klingenden TONFEDERN vorgesehen.
 
Auch bezeichnet als ---> Vierviertelschlag mit vollem Nachschlag - oder 4/4-Schlag, Wiener Vierviertelschlag oder Wiener-Vollstundenschlag.
Dabei wird nach jedem Viertelschlag die volle vergangene Stunde nachgeschlagen. Genauer gesagt, zuerst wird jedes Viertel einzeln angeschlagen. Nach diesem Viertelschlag wird danach auf einer anders klingenden Tonfeder die derzeitige Stunde nachgeschlagen.
Das sind übrigens in 24 Stunden zusammen 864 Schläge (!)  
 
Beispiel: Es ist 18:45. Es erfolgen drei einzelne Schläge auf einer höher tönenden Tonfeder für die drei vergangenen Viertelstunden. Gleich anschließend erfolgen sechs Schläge auf einer tiefer gestimmten Tonfeder, da man sich in der sechsten Stunde befindet. Um 19:00 erfolgen zuerst 4 Schläge auf der hohen Tonfeder für 4 vergangene viertel Stunden. Anschließend 7 Schläge auf der tiefen Tonfeder für die siebente Stunde.
 
Normalerweise sind diese 4/4 Schlagwerke mit einer Repetier-Funktion ausgestattet. D.h. dass aus dem Uhrgehäuse ein dünnes Schnürchen nach unten heraus hängt. Zieht man daran, wird die zuletzt geschlagene Zeit akustisch geschlagen.
So konnte man in der Nacht ohne Licht (Strom gab es ja noch nicht) die Uhrzeit auf eine viertel Stunde genau hören (!)
 
Es gibt allerdings auch 4/4 Schlagwerke OHNE den vollen Stunden-Nachschlag um viertel, halb und dreiviertel.  
 
 
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Durch Ziehen der Repetierschnur - am Gehäuse rechts – konnte z.B. im dunkeln die Zeit auf eine viertel Stunde genau akustisch geschlagen werden.
 
Das Schlagwerk ist ein sog. Rechenschlagwerk.
Im Gegensatz zu den typisch französischen Pendulenwerken mit ihrer Schlagwerksteuerung über eine Schlossscheibe, können die Zeiger hier problemlos auf die neue Zeit - nach evt. stehen bleiben des Uhrwerks - gestellt werden.
Die richtige Schlagfolge synchronisiert sich hier automatisch.
 
 
Funktion eines Rechenschlagwerks
 
 
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Diese Werke sind unter dem Namen "Wiener Stockuhrwerke" allgemein bekannt. Es sind dauerhafte, lebendige Uhrwerke, welche bei sachgemäßer Instandsetzung die damit ausgestatteten Uhren zu freundlichen Zimmergenossen machen. Fotos etwas weiter unten....
 
Das Zifferblatt besteht aus Kupfer mit einer Emailschicht, röm. Ziffern und gebläuten Stahlzeigern.
 Die Uhrwerksplatinen sind meist viereckig mit abgeschrägten Ecken.
 
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Als Hemmung ist eine Hakenhemmung - auch Ankerhemmung oder Clementhemmung genannt - eingebaut.
 
Das sehr leichte Messing-Zierpendel ist fadenaufgehängt, dieser Faden kann durch verdrehen einer Vierkant-welle über der "12" in der Länge verändert werden.
Dadurch wird auch die aktive Pendellänge beeinflusst, und damit das Uhrwerk schneller od. langsamer gestellt.
 
Die Phantasie der Gehäusemacher hat sich bei den Österreichischen Portaluhren nach allen Richtungen ausgelebt. Einfache, strenge Aufbauten nach den französischen Vorbildern, wechseln mit einreihigen Säulenkolonnaden vor Spiegelhintergründen ab. Beispiel siehe hier --->    
 
Bald hängt der Uhrkörper nach unten, bald thront er über den Säulen wie bei einem barocken Klosterportal. Einfache gebeizte Hölzer und kostbare Maserhölzer, Alabaster, Marmor und Bronze werden an den verschiedensten Plätzen verwendet, nicht selten sind Aquarellminiaturen zu finden.
 
Neben diesen schon standardisierten Stockuhrwerken haben die Wiener Meister in der ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts auch nicht selten Einzelwerke hergestellt.
Diese sind nicht wie üblich viereckig, sondern meist auf runden Platinen aufgebaut und vielfach von hervorragender Handwerksarbeit.
 
Dabei finden sich eigenwillige Kalendersysteme, kunstvolle Skelettwerke (durchbrochene Platinen) und hier und da sogar kurze Gewichtsantriebe an Stelle der Federn. Diese Meisterwerke haben meist 8 Tage Gangdauer, statt nur 40 Stunden wie bei den einfachen Werken.
 
 
 
Beispiel eines typischen viereckigen Viertelschlag Uhrwerks
für Wiener Portaluhren bzw. Empire Kommodenuhren um 1820-30
 
Viertel-Werk 1.jpg
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Foto links oben:
Ansicht der Vorderplatine vor Restaurierung
 
Foto links unten:
Ansicht der Vorderplatine nach Restaurierung
 
Foto unten:
Kompl. demontiert
Viertel-Werk 2.jpg
Viertel-Werk 3.jpg
 
Ansicht der Vorderplatine
 
mit Kadraktur (Kadraktur = Die Gesamtheit der meist vor dem Werk angebrachten Teile eines Schlag-, Repetier-, Spiel- oder Automatenwerkes) für Vierviertelschlagauslösung.
 
Viertelstiege starr, Stundenstiege springend gekuppelt.
Rückhalt für Spielwerksauslösung, so daß letzteres genau nach dem Ende des Stundenschlagens nach der ganzen Stunde einsetzt.
 
Der kurze, rechts oben herausstehende, durchbohrte Hebel dient zum Einhängen einer Schnur, an der man zieht, um das Werk nachschlagen zu lassen.
Der eigenartige Anker des Wiener Stockuhrganges nur teilweise sichtbar.
 
Ansicht der Rückseite
 
Man beachte die Konsole für die Pendelbefestigung mit Seidenfadenschlaufe und Lagerträger für durchgehende Welle, um Schlaufenlänge durch Auf- oder Abwickeln zu verändern.
 
 
 
Infos zu Wiener Portaluhren mit einer
großen Bildergalerie finden Sie hier !    
 
 
Empfehlenswertes und sehr gesuchtes Buch zu Wiener Uhren:
Antiquarische Büchersuche z.B. hier: http://www.zvab.com/index.do   oder   http://www.abebooks.de/
! Dieses Buch wird zeitweise bei Ebay weitaus preiswerter angeboten als im Antiquariat !
 
Frederick Kaltenböck
Die Wiener Uhr
 
Callwey-Verlag 1988 - 261 Seiten - ISBN 3 7667 0899 6
Die Zielsetzung dieses Buches ist eine umfassende Darstellung der Produktion
von Klein- und Großuhren im Wiener Raum.
Der Autor stellt die Entwicklungsgeschichte des Uhrmacher Gewerbe in Wien anhand
von Abbildungen und Skizzen im Text in Verbindung mit historischen und soziologischen
Fakten.
Der Schwerpunkt dieses Buches liegt im Bilderteil mit Taschen - , Phantasie - , Reise - , Pendel - , Dachl - , Laterndl - und Kutscher Uhren.
Außerdem ist im Buch ein Namensverzeichnis der Wiener Uhrmacher dieser Zeit enthalten.
 

 

Hier gibt es Informationen zu folgenden Themen...
 
Alte Großuhren Reinigen, Ölen und Einstellen
Die wichtigsten Hemmungen der Großuhren
Die Schlagfolge bei Alten Uhren
 
 
 
 
YouTube Videos zum Thema
mit Kommentaren in deutscher Sprache
 
 
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 Französisches Pendulenuhrwerk
in Funktion ansehen
Überholung / Reparatur
eines Stand- Uhrwerks
 
Uhren Reparatur in der
Uhrmacherei Boxberg
 
Schlagwerkkorektur
einer Großuhr mit
Schlossscheibenschlagwerk
 
Funktion eines
Rechenschlagwerks
 
 
 
Funktion eines
Schlossscheibenschlagwerks
Die Funktion einer
Ankerhemmung
 
 
 
Alte Großuhren Reinigen, Ölen und Einstellen
- Tipps für den interessierten Laien -
 
Ersatzteile, Materialien und Werkzeuge gibt es u.a. bei SELVA und FLUME.
 
 Ein kleines Uhren-Übersetzungswörterbuch
für Deutsch-Englisch-Französisch gibt es hier.  
 
 
Es sollte erwogen werden, das Uhrwerk total zu demontieren und zu reinigen. Schmutz und verharztes altes Öl führen zu Lagerreibung und Schwergängigkeit. Oft läuft eine Uhr nach einer Reinigung wieder zufriedenstellend.
 
Genaue Skizzen und/oder Fotos vor der Demontage des Uhrwerks und der Lage aller Räder, Triebe, Federn usw. anfertigen.
 
Bei Uhren mit Federantrieb diese jetzt unbedingt "entspannen". Bei Nichtbeachtung kann Zerstörung des Uhrwerks drohen. Uhrwerk dazu fest einspannen. Aufzugschlüssel auf den Aufziehvierkant stecken und festhalten. Mit der anderen Hand vorsichtig (!) die Sperre vom Sperrrad abheben, und dabei Aufzugschlüssel langsam nach links bewegen. Achtung ! Die Federn können eine große Kraft gespeichert haben.
 
Stark ausgelaufene, also nicht mehr kreisrunde, Lagerbohrungen in den beiden Werkplatinen können jetzt "ausgebuchst" werden. Entsprechende Lager-Buchsensortimente gibt es im Handel. Zu stark ausgelaufene Lager führen zu mehr Reibung. Für diese Prozedur möglichst ein Reparaturbuch für alte Uhren studieren.
 
Fehlende Zähne an den Rädern können erneuert werden durch Einlöten von Messing-Rundmaterial und anschließendem zurechtfeilen. Entsprechende Rundmessing Sortimente gibt es im Handel. (Selva)
 
Alle Räder, Triebe, Stifte demontieren und einige Zeit in ein Reinigungsbad einlegen. Ganz wichtig ist, dass alle Teile von der Reinigungsflüssigkeit bedeckt sind. (Sonst starke Verfärbung der nicht bedeckten Teile) Am besten ist es natürlich, wenn  man die Reinigung in einem Ultraschallreiniger durchführt.
 
Achtung! Bei vorhandenen Federhäusern diese nicht komplett einlegen. Sollte man unbedingt eine Reinigung innen wünschen, muss die Feder vorher ausgebaut werden. Zum Aus- Einbau der Federn am besten einen Federwinder (gibt´s im Handel z.B. bei SELVA) benutzen. Generell ist das Entfernen und wieder Einsetzen der starken Zugfedern des Geh- und Schlagwerks aus den Federhäusern für den Laien relativ kompliziert ohne Erfahrung beim ersten mal.
 
Man nehme eine flache Schale mit einer Lösung aus heißem Wasser, einem guten "Schuß" verdünntem Salmiakgeist und etwas flüssiger Seife oder Spülmittel.
Ca. 30-45 Minuten eingelegt lassen. Bei starken Verschmutzungen evt. mit einer weichen Bürste behandeln. Dazu die Teile mit einer Pinzette vorsichtig aus dem Bad heben, evt. reicht leichtes Schwenken.
 
Nach diesem Reinigungsbad die Uhrwerkteile zum Abspülen und neutralisieren in eine flache Schale mit Benzol oder Reinigungs-Benzin legen. Dort noch einmal schwenken, und mit einem fusselfreien Tuch oder Fön trocknen. Das Trocknen muss sehr gründlich erfolgen.
Wichtig! Eventuelle Lagerbohrungen (wenn Platinen und Brücken gereinigt wurden) mit einem dünnen runden Hölzchen (Zahnstocher?) innen reinigen.
 
Die Messing und Stahlteile sind nun zwar sauber, sehen aber matt aus und können - wenn man möchte - jetzt noch poliert werden. Man verwende dazu ein schnell rotierendes Stahlbürstchen in einer Mini-Bohrmaschine.
 
Abschließend die Teile wieder zusammenbauen und alle Lager ölen. Funktionstest des Werks außerhalb des Gehäuses durchführen.
 
Der funktionierende Zusammenbau stellt für den Anfänger die größte Herausforderung dar. Er gelingt meistens nur, wenn ausreichende Skizzen/Fotos vorher gemacht wurden. Insbesondere die richtige Justage des Schloßscheiben oder Rechen- Schlagwerkes kann Probleme bereiten. Evt. ein Uhren-Reparaturbuch zu Rate ziehen. Zum Schluß alle Lagerstellen mit einem Uhrenöl für Großuhren (!) ölen. Die ineinandergreifenden Zahnräder werden NICHT geölt.
 
Das Nachölen älterer, mechanischer Uhrwerke ist nur dann sinnvoll, wenn alle Lagerstellen einigermaßen sauber erscheinen. Wenn die Lager jedoch größere Schmutzansammlungen aufweisen, ist es unumgänglich, zuerst das Werk zu reinigen.
 
Wenn die allgemeine Verschmutzung eines Uhrwerks nicht allzu groß ist und die Lager noch einigermaßen in Ordnung sind, kann man mit einem Feinreiniger aus der Sprühdose eine wirksame Kurzreinigung vornehmen.
Damit alle Lagerbohrungen, Triebe und Räder gezielt mit einem Sprühröhrchen gezielt behandeln. Alte Ölreste und Schmutz - wenn nicht verharzt - sollten so herausgesprüht werden können und fließen ab.
 
Zum Beispiel den Sicherheitsreiniger (Spraydose ca. 200 ml) KALTRON 601 von Kontakt Chemie benutzen. Chem. Reinheit = 99,8 %, hinterlässt keine Spuren, trocknet schnell. Feinreiniger gibt es u.a. im Fachhandel f. elektronische Bauelemente. Z.B. Conrad Elektronik. Diese Produkte wurden früher auch zur Reinigung der Videoköpfe/Tonköpfe benutzt.
 
Dabei sollte mit dem Sprühmittel nicht gespart werden, die ganze Dose geht dabei schon drauf.
Bitte unbedingt darauf achten, dass das Mittel nicht in die Federhäuser läuft. (Französische Pendulenwerke deshalb beim Einsprühen immer mit der Zeigerseite nach unten halten während des Einsprühens)
 
Der Feinreiniger trocknet von selbst. Man kann aber auch mit moderater Warmluft (Fön) nachhelfen. Schmutzreste auf den Platinen sollten jetzt abgewischt werden.
Nach der "Schnellreinigung" mit Feinreiniger-Spray, das Uhrwerk mit Uhrenöl für Großuhren - z.B.  Uhrenöl No. 3-5 von Selva http://www.selva.de/ ölen.
Nocheinmal...... Diese Art der "Uhrwerk - Reinigung" ist nur ein Notbehelf bei leichten Verschmutzungen. Ein gelernter Uhrmacher wird soetwas niemals machen....
 
 
Über das richtige Ölen von Großuhrwerken.....
Öl vermischt mit Staub verhindert die einwandfreie Kraftübertragung.
Ist eine Uhr jedoch in extremer Wärme ausgesetzt, kann das Öl – je nach Qualität – sich früher verflüchtigen, dick werden oder auch verharzen.
 
Die Folge sind Reibungsverluste in den Lagerstellen und ein schwergängiges Räderwerk, das schließlich versagt. Äußerst nachteilig wirkt sich auch Staub aus, der sich mit dem Öl vermischt. Er erzeugt eine schwarze Schmiere in den Lagern, die zu einer Schleifwirkung führen kann.
Ausgelaufene Lager und raue Wellenzapfen sind die Folgeschäden. Eine einwandfreie Kraftübertragung ist dann nicht mehr gewährleistet.
 
Lieber weniger als zuviel ölen.
Intakte, saubere Lager lassen sich nachölen. Aber auch hier können Probleme auftreten, z.B., wenn die Öle sich nicht miteinander vertragen.
 
Beim Nachölen oder beim Ölen nach einer Reinigung des Uhrwerks gilt der Grundsatz: »Lieber etwas weniger, als zuviel«. Dabei werden grundsätzlich nur die Zapfen der Räder in der vorderen und hinteren Werkplatine geölt.
Geölt werden darf prinzipiell nur dort, wo Reibung entsteht, also zunächst in den Platinenlagern.
Das Öl muss punktgenau und präzise mit einem speziellen Ölgeber dosiert an die Schmierstelle gebracht werden. Guter Tip --> Man kann auch einen dünnen Messingdraht in das Öl tauchen und dann auf die zu ölende Stelle geben.
 
In der Regel haben die Platinenlager an der Außenseite Senkungen zur Aufnahme einer geringen Ölmenge. Ein Zuviel an Schmierstoff ist schädlicher als zu wenig, denn sobald ein Tropfen von der Ölstelle wegläuft, zieht er weiteres Öl nach. Ein »überöltes« Lager läuft also schneller trocken!
Vergisst man dagegen eine Stelle zu ölen, ist erhöhter Verschleiß die Folge.
 
Die Zähne der Räder dürfen nicht geölt werden, denn Öl zieht dort verstärkt Staub an, so dass die Verzahnung bald klemmen würde.
Eine Ausnahme bildet das Gangrad – auch Steigrad genannt –, in das der Anker eingreift. Die Ankerklauen bzw. die Zahnspitzen des Steigrads mit etwas Öl oder Uhrenfett versehen. Dies bewirkt gleichzeitig eine Dämpfung des »Tick«-Geräuschs.
 
Immer das "richtige" Öl verwenden. Für Großuhren also nur Großuhrenöl, kein Öl für Taschenuhren oder Nähmaschinen etc. verwenden. Im Internet zu beziehen u.a. bei http://www.selva.de/
 
 
Abhilfe bei ungleichmäßigem Ticken.... man nennt es "Abfall einstellen"
Mechanische Uhren mit Pendel sollen und müssen ein völlig gleichmäßiges Ticken von sich geben. Es gibt Menschen, welche dieses ungleichmäßige Ticken nicht einmal hören, andere wieder stört das ungleichmäßige Tick-Tack ungemein.
 
Für die Uhr selbst ist ein ungleichmäßiges Ticken von Nachteil, sie geht u.U. nicht genau, und der Anker nutzt sich ungleichmäßig ab, im Extremfall bleibt die Uhr einfach stehen.
 
Bevor hier mechanisch eingegriffen wird, könnte man in leichten Fällen damit Abhilfe schaffen, die gesamte Uhr durch einseitiges Unterlegen von Filzen - linke oder oder rechte Seite - "schief zu stellen". Wenn es sich nur um 1-2 mm handelt, merkt man das kaum. Das Ticken ist aber wieder gleichmäßig. (Gleiches gilt für Wanduhren)
Bei den beliebten französischen Pendulen kann man oft auch (am Zifferblatt-Rand bzw. der Lünette anfassen) das gesamte Uhrwerk im Gehäuse leicht nach links oder rechts drehen.
Auch hier, oft handelt es sich nur um 1-2 mm, ist der Abfall danach ist wieder gleichmäßig.
 
 
Wenn die Uhr also "hinkt" oder "galoppiert", gibt es noch
folgende Lösungen für dieses Problem:
 
Es gibt normalerweise 2 Konstruktionsarten wie die Pendelführung/Pendelgabel mit der Ankerwelle verbunden ist. Danach richtet sich die Problemlösung. Das sollte also vorher geklärt werden.
 
Bei Uhren, deren Ankerwelle mit der Pendelführung fest verbunden ist - sei es vernietet oder verlötet - muss die Pendelführung leicht nach links oder rechts gebogen werden.
Bitte beachten, dass die Pendelführung mit 2 Fingern festgehalten werden muss, da sonst die Gefahr besteht, dass die dünnen Ankerwellenzapfen brechen.
 
Sind Pendelführung und Ankerwelle aber nicht fest miteinander fest verbunden, sondern lassen sie sich gegenseitig (reibschlüssig) verdrehen, dann müssen Sie bei der Korrektur folgendes beachten:
 
     1. Das Uhrgehäuse so weit nach links oder rechts schräg hängen oder kippen, bis das
         Ticken vollkommen gleichmäßig ist.
     2. Die Pendelführung vorsichtig in Richtung der Schräglage führen, bis der Anker im
         Zahngrund des Steigrads aufsitzt und ein leichter Widerstand spürbar ist.
     3. Die Pendelführung geringfügig über den Widerstand hinaus drücken. Ist die
         Bewegungsfreiheit der Pendelführung eingeengt, muss man mit der freien Hand
         den Anker arretieren und die Uhr wieder senkrecht hängen.
     4. Das Tickgeräusch nun wieder abhören.
     5. Ist das Ticken noch immer nicht gleichmäßig, wiederholen Sie bitte den Justier-
         vorgang - falls erforderlich auch in die entgegengesetzte Richtung.
 
Präzisions-Pendeluhren besitzen oft eine speziell konstruierte Pendelführung.
Bei solchen Uhren befindet sich an der Führung eine Stellschraube oder eine Rändelscheibe zur Feineinstellung. Mit dieser Reguliervorrichtung können Sie leicht und bequem ein gleichmäßiges Ticken einstellen.
 
Was hier beschrieben wurde, bezeichnet der Uhrmacher in seiner Fachsprache als "Abfall einstellen". Kommt von der Bewegung des Steigrads, das Zahn um Zahn "abfällt".
 
 
 
 
- Die wichtigsten Hemmungen der Großuhren -
 
Ankerhemmung
Die Ankerhemmung in Funktion
 
Die Uhrenhemmung (kurz Hemmung) ist eine Baugruppe der mechanischen Räder Uhren. Sie dient der Drehzahlstabilisierung beim Anlauf eines Federwerks, welches diese Geräte antreibt.
 
 
Die Spindelhemmung - ist die älteste (rückfallende) Hemmung an Räderuhren (Groß- und später auch Taschenuhren) Abwechselnd greifen die Lappen der Spindel in das Hemmungsrad ein, das die Form eines Kronenrades mit sägeähnlichen Spitzen hat, und lassen es um jeweils einen Zahn weiterlaufen Waag.

Die
Ankerhemmung (Bezeichnung nach der optischen Form eines Ankers) - ist eine zusammenfassende Bezeichnung (!) für die rückführende Haken- als auch für die ruhende Graham- oder Brocothemmung.

Die
Hakenhemmung - auch Clement - Ankergang genannt. 1680 von William Clement eingeführte rückführende Ankerhemmung mit einem Hemmungrad, dessen Zähne senkrecht zum Trieb stehen. Der ankerförmige Teil der Hemmung gibt im Wechsel einen Zahn frei und hemmt dabei gleichzeitig den anderen.

Die
Grahamhemmung - 1710 von George Graham erfundene ruhende Ankerhemmung für Präzionsuhren.

Die
Béthune-Hemmung - von Chevalier de Béthune 1727 entwickelte rückfallende Hemmung für Pendeluhren, die eine Variante der Spindelhemmung ist. Sie besitzt senkrecht zum trieb des Hemmungrades stehende Zähne und eine geteilte Spindel,
deren Lappen an zwei verschiedenen Wellen befestigt ist, die durch zwei Hebel miteinander in Verbindung stehen.

Die
Scherenhemmung - auch Stiftenhemmung. Von Louis Amant 1741 entwickelte ruhende Hemmung mit einem Hemmungsrad, das senkrecht zum Radstreifen stehende Stifte trägt, welche durch die hin- und hergehende Schere hindurchgeführt werden.

Die
Brocot-Hemmung - von Louis Gabriel Brocot 1826 erstmals vorgeführte ruhende Ankerhemmung, für die er 1847 ein Patent erhielt. Die Brocot-Hemmung hat zwei senkrechte zur Fläche des Ankers stehende halbrunde Stifte aus Stahl oder häufiger aus Stein (Rubin), die als Paletten dienen. Bei französischen Pendulen ist die Brocothemmung sehr häufig in einer Aussparung des Zifferblattes sichtbar angebracht.

Die
Chronometerhemmung, von Pierre Le Roy 1748 entwickelte freie Hemmung, die häufig in Schiffschronometern verwendet wurde. Auch heute noch wird sie gelegentlich in abgewandelter und verbesserter Konstruktion gebraucht.
Man unterscheidet die Chronometerhemmung mit Feder (meist in Schiffschronometern und anderen Großuhren) und die Chrono-meterhemmung mit Wippe (meist in Taschenuhren).
 
Bei der Chronometerhemmung mit Feder hält der an der Feder befestigte Ruhestein das Hemmungsrad an, bis der an einem Teller an der Unruhwelle befindliche Auslösestein die Feder anhebt und damit den Ruhestein aus dem Hemmungsrad herauszieht, das sich weiterdreht und mit einem Zahn auf den an dem Teller befestigten zweiten Stein, den Antriebsstein, fällt und die Unruh antreibt. Diese erhält beim zurückschwingen jedoch keinen Antrieb. Er erfolgt nur bei jeder zweiten Schwingung. (freie Hemmung)
 
 
 
- Die Schlagfolgen bei Alten Uhren -
 
1.   Voller Stundenschlag. Nur Angabe der vollen Stunden.
Bei frühen Uhren und häufig bei Bodenstanduhren bis hinein ins 19. Jahrhundert gebräuchlich.
 
2.   Angabe der vollen und halben Stunden. Französischer Schlag genannt - wobei die halben Stunden nur mit einem Schlag angegeben werden.
Diese Form ist ab 2. Hälfte des 17. Jh. in Frankreich und auch bis heute sehr gebräuchlich. In einigen anderen Ländern aber erst ab dem 19. Jahrhundert.
In Teilen Deutschlands im 18. Jh. auch bekannt z. B. im bergischen Land, wo die halbe Stunde auf einer kleinen Glocke oder Tonfeder geschlagen wird - meistens als „passing strike“.
 
3.   Passing Strike in England auch "angerissener Schlag" oder Schlag "en passant" genannt. D.h. 1x Schlag immer zur vollen Stunde. Auslösung wird vom Gehwerk betätigt. Also kein Extra Schlagwerk.
 
4.   Comtoiser Schlag. Die Comtoise-Uhren schlagen die vollen und halben Stunden und wiederholen die volle Stunde ein paar Minuten danach. Ähnlich funktioniert der Ribotta-Schlag bei Italienischen Uhren. In Deutschland wurde früher bei Kirchturmuhren auch weit verbreitet die volle Stunde nachgeschlagen, aber unmittelbar.
 
5.   Holländischer- oder Wechsel- Schlag. Wird in England Dutch Striking genannt.
Angabe der vollen und halben Stunden jeweils mit voller Schlagzahl. Die halben Stunden werden zur Unterscheidung auf eine andere Glocke geschlagen.  Diese Bauweise war auch in England bekannt, aber um ½ wird die vergangene Stunde und nicht die kommende Stunde geschlagen.
 
6.   Dreiviertelschlag. (Auch ¾-Schlag oder Berner Schlag genannt). Alle Viertel werden angegeben und (nur) beim vierten Viertel wird die volle Stunde auf eine größere Glocke geschlagen. Im Gegensatz zur Petite Sonnerie, wo die 4 Viertelschläge NICHT geschlagen werden.
 
7.   Petite Sonnerie. Hier werden die Viertelstunden - ggfs. mit Doppelschlag auf 2 Glocken - angegeben. Zur vollen Stunde wird die Stundenzahl ohne Viertelstunden auf eine größere Glocke geschlagen.
 
8.   Grande Sonnerie. (Vor allem in Frankreich u. Schweiz gebräuchlich) Bei jeder Viertelstunde wird zuerst die volle Stunde auf eine größere Glocke und dann die Viertel (meist im Doppelschlag) angegeben - aber nicht zur vollen Stunde, hier wird die Stundenzahl ohne Viertelstunden geschlagen.
 
9.   Vierviertelschlag mit vollem Nachschlag. Auch 4/4-Schlag, Wiener Vierviertelschlag oder Wiener Vollstundenschlag genannt. Hier wird nach jedem Viertelschlag die volle vergangene Stunde nachgeschlagen.
 
   
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