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Autor dieser Seiten:  Detlef Knick - Berlin 
 
Weitere Infos auf folgenden Seiten:
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square30_yellow.gif Die Kienzle Weltzeituhr 1938 - 1996
square30_yellow.gif Reparaturständer für Großuhren selbst gebaut
square30_yellow.gif Uhren Wörterbuch Deutsch-Englisch-Französisch
 
 
 
Französische Portaluhren
Säulenuhren 18. Jh. bis Ende 19. Jh.
 
les Pendules portique     the column clock´s - Style Empire
 
 
Für Portaluhren Süddeutsch- Österreichischer Ausprägung
 
 
  
 
Die französischen Kunstepochen ab Klassizismus
 
Frankreich
Deutschland
Louis seize XVI  1770 - 1795
 
Klassizismus 1790 - 1820
Directoire ca. 1795 - 1800
 
 
Empire (Inklus. Restauration) 1800 - 1830
 
Biedermeier 1815 - 1840
Louis-Philippe 1830 - 1852
 
 
Zweites Empire
 
 
(Napoleon III.) 1852 - 1870
 
 
 
Die "Zweite Zeit"   1850 - 1900
Gründerzeit  / Historismus
Pendulen 2. Hälfte 19. Jahrhundert   
Art Nouveau 1880 - 1910
 
Jugendstil 1895 - 1910
 
 
Pendulen_Frankreich_10.jpg
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Viele Sammler alter Uhren sagen, dass die Engländer die
solidesten Uhren bauten, die Deutschen die billigsten und
die Franzosen die schönsten Uhren.
 
 
Dabei nehmen die französischen Portaluhren - speziell während der Zeit des Klassizismus - bei vielen interessierten
Sammlern und Kunstliebhabern eine zentrale Stelle ein.
 
 
Das 18. Jahrhundert ist wohl der Schwerpunkt dieser Uhren,
erreicht bis etwa 1900.
Die Formenvielfalt französischer Bronzependulen und
Portaluhren (oder auch Säulenuhren genannt) ist erstaunlich.
Aber wann war der Beginn des Uhrentyp Portaluhr?
 
 
Zum Beispiel könnte die Religieuse - ein Uhrentyp des
17. Jahrhunderts - fast so eine Art Vorläufer gewesen sein.
 
 
Das Gehäuse wurde einem Kirchenportal nachempfunden.
 
 
Allerdings hat dieser Uhrentyp mit den Portaluhren, wie sie
hier vorgestellt werden, nichts zu tun.
  
 
 
 
 
Allgemein verbreitet ist die Portaluhr im Klassizismus. Etwa 1780 - 1830.
 
Bereits während der Regierungszeit
Ludwig XV. (Louis quinze um 1730 - 1745) setzt auf den Gebieten der Kunst,
Architektur und Innenarchitektur eine
strengere Gestaltung ein.
 
 
Das Rokoko wird durch den frühen Klassizismus, Neoklassizismus,
Transistion und Louis seize (etwa 1760 -
1790) nach und nach abgelöst.
 
 
Bei Pendeluhren verdrängen Marmor
und vergoldete Bronze Holz als
häufigstes Material.
 
 
Die feuervergoldete Bronze entspricht dem Zeitgefühl des 18. Jahrhunderts, alles
muss licht sein und glänzen.
 
Der Aufbau allerdings folgt strengen architektonischen Vorgaben. Stilistische Vorbilder geben die antiken Kulturen, die zum Beispiel durch die Ausgrabungen in Pompeji oder Jahrzehnte später durch Napoleons Ägyptenfeldzug populär wurden.
 
 
Pendulen_Frankreich_08.jpg
  Klick auf das Foto  
 
So zeigen die Säulen der Portaluhren kannelierte Pfeiler und enden in korinthischen Kapitellen zum strengen, klassisch "griechischen" gout grec.
 
Oder ihre fein naturalistisch ausgearbeiteten Ranken, Blüten- oder Blattgirlanden verbinden sich mit der Architektur zur vorübergehenden Mode des gout étrusque, zur etruskischen "Ausformung". 
Antike Vorbilder....
Die Säulen können auch als Karyatiden gestaltet sein, als Obelisken stehen, das Uhrengehäuse durch eine griechische Göttin, einen Adler, eine Vase bekrönt werden.
 
Zur Ausschmückung gehören Porzellanmedaillons in Wegdwood-Manier, bewegt ausgeführte Bronzereliefs mit mythologischen und allegorischen Szenen am Sockel, feuervergoldete Pflanzengirlanden, die die Uhr zwischen den Säulen umkränzen.
 
 
 
Ihren Höhepunkt fand die französische Bronzeuhr in der Dekade vor Napoleons Kaiserzeit, während des Directoire 1795 - 1799 und
des Consulat bis 1804 ....
 
 
.... als sich berühmte Künstler wie Jean-Simon Deverberie
(1764 - 1824) mit meisterhaften Figurenuhren verewigten.
 
 
Das Empire begann um 1800 und blieb einflussreichster Stil über das Ende der napoleonischen Ära (1815) hinaus, sowie über die Restauration unter Louis XVIII. bis zu Charles X.
(1824 - 1830)
Nach dem Ägyptenfeldzug Napoleons 1798/99 nahmen die
Pariser Uhrmacher ägyptisierende Motive auf.
 
 
Der Rückgriff auf antike Architektur und Skulptur verstärkte
sich.
 
Mit der spielerisch-eleganten Leichtigkeit der frühklassizistischen Uhren war es vorbei.
 
Auf schwarzem Marmor glänzten feuervergoldete Bronzeappliken, Sphinxe, Palmetten, stilisierte Löwen, Pharaonenköpfe und Skarabäen.
 
Der Kaiser, der sich in der Nachfolge römischer Kaiser sah, schätzte die imperiale Attitude
und suchte sich durch diesen Rückgriff auf die Antike auch zu legimitieren.
 
Bei seinen vielen Aufträgen an Künstler und Kunsthandwerker - Napoleon war ein großer Förderer der Bronzekunst - nahm er natürlich Einfluß auf Themen und Darstellung.
 
Der Imperator prägte mit seinen Vorstellungen das Empire.
 
 
 
- Die Uhrenfertigung -
 
 
 
Wie entstanden diese dekorativen, noch heute so geschätzten Zeitmesser - les pendules portique?
 
 
Eine Pendule wurde nicht von einem einzelnen Uhrmacher, sondern von verschiedenen Handwerkern hergestellt.
 
 
Die Uhrenfertigung geschah arbeitsteilig und der Uhrmacher,
der horloger-pendulier, der schließlich die Uhr signierte,
war meist "geschäftsführender Organisator" und nicht
Uhrmacher im herkömmlichen Sinne.
 
 
 
 
Eine französische Encyclopédie von 1765 benennt
15 Spezialisten, die an Teilarbeiten beteiligt waren.
Sie gehörten jedoch meist keiner Zunft an.
 
Der Fondeur pour les rous --> goß Räder und Platinen.
Der Faiseur de mouvement en blanc --> fräste Räder und Triebe.
Der Faiseur des ressorts --> fertigte Uhrfedern.
Die Fendeuse --> schnitt die Räder.
Der Graveur --> gravierte Messing-Zifferblätter.
Der Poliseur --> polierte Messingteile.
Ein anderer versilberte sie. Bronzegehäuse fertigte ein weiterer.
Der Doreur --> vergoldete Bronzeteile.
Der Metteur en couleur --> bemalte sie.
 
Der Finisseur schließlich war der eigentliche Uhrmacher, setzte
die Uhr zusammen, baute die Hemmung ein, polierte Zapfen usw.
Andererseits kauften Pariser Uhrmacher
im 18. Jh. auch komplette Rohwerke
und setzten sie in Gehäuse ein.
 
 
Pariser Pendulenuhrwerk in Funktion
 
Am Beispiel von Pendeluhren mit
feuervergoldeten Bronzegehäusen wird
auch deutlich, schreibt Jakob Messerli in "Französische Pendeluhren des
18. Jahrhunderts" , dass bei diesem Uhrentyp das Gehäuse nicht nur in ästhetischer, sondern auch in ökonomischer Hinsicht im Vordergrund stand.
 
Teilt man nämlich die Produktionskosten auf die verschiedenen an der Herstellung beteiligten Handwerker, ergibt sich folgendes Bild:
Vom Gesamtpreis entfielen in der Regel auf den:
 
Modellentwurf = 10 Prozent.
 auf den Guß = 20 Prozent.
 auf die Ziselierung = 30 Prozent.
 auf die Vergoldung = 30 Prozent.
 
und auf das Uhrwerk lediglich 5 bis 10 Prozent (!)
 
Im allgemeinen erfreut sich der Sammler alter Uhren an der
Kunstfertigkeit der Meister, eine bewundernswerte Ganggenauigkeit
zu erreichen.
 
Doch in dieser Zeit gab es eine Reihe von Pendulen, bei denen
das Uhrwerk die geringste Rolle spielte.
 
Vor allem die Bronzen mit ihren allegorischen Darstellungen
überzeugten und für einen Käufer konnte damals der Bronzier der
ausschlaggebende Kunsthandwerker sein, nicht der Uhrmacher.
 
Bei vielen Pendulen schwingt ein Sonnenpendel mit.
 
Der Sonnenkönig hat damit allerdings nichts zu tun.
Zum einen ist das Pendel sichtbar, es sollte auch dekorativ wirken.
Zum anderen kommt der Sonnenkopf aus der Mythologie, wie man sie auch bei
Comtoiser-Uhren beobachten kann.
 
Vermutlich ist es der Kopf des Phöbus, das Attribut des Lichts oder des Glänzenden, das auf
den griechischen Gott Apollo gemünzt war.
 
Nach einer Sage aus dem französischen Jura sollte dieser Phöbuskopf übrigens die Geister
aus einem Haus fernhalten, wenn die Hausherren auf dem Feld bei der Arbeit waren.
 
Ein "Gesicht" musste stets zu Hause wachen. Daher kommt wohl die Sonne im Uhrenbau, nicht
nur bei der Bekrönung, sondern auch beim Pendel vor.
 
  
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 Die "Zweite Zeit" 1860 - 1900
Pendulen in der zweiten Hälfte 19. Jh.
 
Es ist wohl folgerichtig, dass man in der zweiten Häfte des 19. Jahrhundert mit
seinem Stilpluralismus - auch als Historismus oder Gründerzeit bezeichnet -
die verschiedenen Pendulentypen wieder neu auflegte und nachfertigte (!)
 
 
Diese sog. "Zweite Zeit" - etwa zwischen 1860 und 1900 - folgt der fortschreitenden
Industrialisierung als man fast nur noch Massenware statt handgefertigter Exemplare
herstellte.
 
Statt feuervergoldeter Bronze kam in vielen Fällen der preiswertere Zinkguß oder Messing zum Einsatz. Diese Zinkußlegierungen waren je nach Hersteller von sehr unterschiedlicher - guter bis sehr schlechter - Qualität.
 
Man "veredelte" die Oberflächen der Zinkgußlegierungen häufig mit einer golden schimmernden bzw. Goldbronzeähnlichen Mixtur. Es sollte ja wie eine "richtige Vergoldung" aussehen. Das Rezept dieser Mixturen war ein besonderes Geheimnis der verschiedenen Hersteller. Mal sah der Farbton eher nach einer echten Feuervergoldung aus, mal weniger. Nur selten findet man noch eine echte Feuervergoldung (!)
 
Die genaue Ausformung der Applikationen und der Figuren war nicht mehr so detailreich
und oft grob gehalten. Die wichtigen Ziselierungen der Oberflächen fehlten fast vollständig.
Normalerweise wurde auf die extrem aufwändige und gefährliche 24-karätige
Feuervergoldung verzichtet. Diese wurde 1903 sowieso verboten.
Viele Infos zur alten echten Feuervergoldung gibt es hier  
 
 
 
 
Das Uhrwerk ist dabei in den meisten Fällen
ein standardisiertes Pariser Rundpendulen Uhrwerk.
 
Gangdauer ca. 10 Tage.
Schloßscheiben-Schlagwerk mit Schlag zur vollen und halben Stunde auf eine Halbschalenglocke.
 
Das Pendel war normalerweise an einer Stahl-Pendelfeder aufgehängt. Diese Art der Pendlaufhängung wurde erst Mitte des 19. Jh. erfunden. Davor wurden Pendel mittels eines Faden aufgehängt. Wie auf dem rechten Foto zu sehen (!)
 
Als Hemmung kam fast nur eine sog. Ankerhemmung zum Einsatz.
 
Die mechanische Qualität dieser - in sehr großer Zahl hergestellten - Werke war recht gut.
Pariser Rundpendulenwerk
Typisches Pariser Rundpendulen Uhrwerk
aus der 1. Hälfte des 19. Jh. mit Fadenaufhängung (!)
 
Wenn Sie den Mauszeiger über das Bild
bewegen, sehen Sie alle Einzelteile.
Marmor wurde auch in der 2. Hälfte des 19. Jh. wieder vielfältig eingesetzt. Oft bunt geäderter und grauer Marmor. Aber nur noch selten kam teurer weißer Carrara oder schwarzer Belgischer Marmor zur Anwendung.
 
In dieser zweiten Epoche ab ca. 1860 wird die Leistung der früheren Bronzekunst nicht mehr erreicht. Gerade dieses Beziehungsgeflecht zwischen den Handwerkern im Großraum Paris hatte Anfang des 19. Jh. (ca.1790-1830) absolute Spitzenleistungen ermöglicht.
 
 Natürlich schlägt sich das im heutigen Verkaufspreis nieder. Die Säulenpendulen/ Portaluhren und Bronzependulen des ausgehenden 19. Jahrhunderts - ab etwa 1860 - liegen daher im Handelswert weit unter denen ihrer Originale von 1790 - 1830 (!)
 
Problematisch könnte sein, dass viele interessierte Laien auf Grund mangelnder Erfahrung nicht erkennen können, dass es sich bei Käufen "nur" um die sog. "Zweite Zeit" handelt.
 
Dennoch erfreuen sich gerade Großuhren dieser zweiten Zeitepoche heute größter Beliebheit. Sind sie doch in der Anschaffung viel preisgünstiger. Die hier oft eingebauten typischen Pariser Rundpendulen-Uhrwerke sind gutmütige lang erprobte Erzeugnisse von guter Qualität.
 
 
 
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Beispiel einer typischen Portaluhr der "Zweiten Zeit" um 1860
 
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Hier mit vier Säulen aus weißem/creme-
farbenem Marmor.
 
Vasenbekrönung und Applikationen aus Messing und Bronze z.T. vergoldet.
Typisches Produkt zum Ende des
19. Jahrhundert mit einem Pariser
Rundpendulenwerk.
 
Werk-Durchmesser 82 mm.
Platinendicke 2,2 mm.
Schloßscheibenschlagwerk,
Schlag für halbe und volle Stunden
auf eine Bronzeglocke.
 
Sonnenpendel mit Pendelfeder,
Länge regulierbar mit Vierkant
über der “12”. Emaille-Zifferblatt.
Gangdauer ca. 10 -12 Tage.
 
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Weitere Beispiele von Pendulen der "Zweiten Zeit"
1860 - 1900
 
 
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Alabaster Kaminuhr
 
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Kaminuhr nach berühmtem Vorbild
 
 
 
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